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Die oberpliozäne Säugerfauna von Wölfersheim-Wetterau

Tobien, H.

Kurzfassung

Anfang des Jahres 1949 wurde in der Grube Römerstraße der HEFRAG bei Wölfersheim/Wetterau im Liegenden des dort unter Tage abgebauten, pliozanen Braunkohlenflözes eine reiche Säugerfauna entdeckt. Dank dem verständnisvollen Entgegenkommen der Grubenleitung, vor allem der Herren Direktor PETEREIT, Obering. BIBUS und Obersteiger WAGNER konnten die Funde in mehrwöchentlicher Arbeit vom Senckenberg-Museum Frankfurt geborgen werden. Die Knochen- und Zahnreste fanden sich etwa 1-2 m unter der Unterkante des Flözes, teils in einem grauen und schwarzen Letten verstreut, vorwiegend aber in einigen ± linsenförmigen Lagen angereichert. Die größeren Komponenten dieser Fundschichten bestehen fast durchweg aus Einzelzähnen, Knochenfragmenten, Spongiosa-Bruchstücken, Quarzgeröllchen und Kohlebröckchen. Die Reste der Großsäuger wurden überwiegend an Ort und Stelle geborgen, die der Kleinsäuger durch Ausschlämmen des Rohgutes gewonnen. Das Auftreten von Mastodon arvernensis und M. borsoni verweist die Fauna in das nachpontische Pliozän, eine Altersdatierung, die mit den paläobotanischen Feststellungen in Einklang steht (KIRCHHEIMER, LESCHIK). Außer diesen Proboscidiern sind noch zahlreiche weitere Säugerarten nachgewiesen, darunter: Tapirus arvernensis (häufig), Rhinoceros megarhinus, Sus minor, mehrere Cerviden, Ursus arvernensis, Parailurus, Pannonictis, Mustela palerminea, Castor, Trogontherium (gr. u. kl. Spezies), mehrere Sciuriden (darunter eine Petaurista-artige Form), Myoxiden (darunter Muscardinus), Mus cf. sylvaticus, Microtinen (darunter Mimomys mit mehreren Spezies), Prolagus, 3 Leporiden, Desmana, Galemys, Talpide, 2 Soriciden, Macaca. Bisher sind 45 Säugerformen vertreten. Außer den Säugetieren sind noch Panzerreste von Schildkröten (Testudo, Emydine), knöcherne Hautplatten und Kieferreste von Lacertiliern, Extremitätenfragmente von Anuren sowie Wirbel und Schlundzähne kleiner Cyprinoiden vorhanden. Hinsichtlich der Artenzahl kann die Wölfersheimer Säugerfauna mit den bekannten Lokalitäten des jüngeren Pliozäns und der Wende Plio/Pleistozän (Roussilon-Montpellier, Val d'Arno, Perrier, Senèze, Gundersheim, ungarisches "Präglazial") verglichen werden. Ihr besonderes Gepräge erhält sie durch die Vergesellschaftung von Groß- und Kleinsäugern. In den genannten Faunen herrschen entweder Groß- oder Kleinsäuger vor, ihre Vergleichung ist daher noch nicht in allen Fällen restlos geglückt. Diese Schwierigkeit entfällt für die Wölfersheimer Fauna in weitem Maße.