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Seismische Beobachtungen bei großen Steinbruchsprengungen und deren geolgoische Ergebnisse

Reich, H.

Kurzfassung

Große Steinbruchsprengungen mit Lademengen von mehr als 1 t Sprengstoff füllen eine Lücke in der Erforschung der Erdrinde aus, die zwischen den Beobachtungen der angewandten Seismik zur Klärung der tektonischen Fragen mit Sprengmengen bis zu 50 kg und den Erdbebenbeobachtungen bzw. den Beobachtungen ganz großer Sprengungen, wie der Helgoland-Sprengung, besteht. Bei diesen Beobachtungen werden Tiefen bis zu 5 km und mehr refraktionsseismisch erfaßt. Die Mittel für die Durchführung dieser interessanten Beobachtungen hat dankenswerterweise die Fraunhofer-Gesellschaft, München, zur Verfügung gestellt. Folgende Sprengungen wurden seismisch aufgenommen: 1. Sprengungen in Lengfurt (westlich Würzburg, am Main): 1.4.50 mit 1 t Gelatine-Donarit; 7.3.51 mit 1,765 t Gelatine-Donarit nach E, Richtung Würzburg; 12.7.51 mit 4,5 t Gelatine-Donarit nach E, Richtung Würzburg; nach S, Richtung Bad Mergentheim. Bei dem Ortsprofil wurde als Tiefe für die Sedimente des Deckgebirges (Trias) 600 bis 800 m bestimmt. Die Geschwindigkeit im darunterliegenden Kristallin betrug 5200 m/sec (wahrscheinlich Gneis) und 5400 m/sec (wahrscheinlich Granit). In 4,2 km Tiefe unter NN wurde im Kristallin mit sehr guten Einsätzen die Grenzfläche eines kristallinen Körpers festgestellt, der eine Geschwindigkeit von 6400 m/sec besitzt. Dieser Tiefengesteinskörper fällt nach E auf mehr als 5 km unter NN ab. Es kann sich dabei nur um ein basisches Tiefengestein von der Art eines Diorites oder Gabbros handeln. Die in diesem Bereich bekannten magnetischen und gravimetrischen Anomalien fordern ebenfalls das Vorhandensein eines solchen basischen Gesteinskörpers. Auf dem südlichen Profil konnte dieser basische Tiefengesteinskörper ebenfalls einwandfrei erreicht werden. Er steht hier bei einer Tiefe von 2,4 km unter NN an und sinkt dann wieder in einer Entfernung von 35,6 km vom Schlußpunkt nach S ab. Die Sedimentmächtigkeit der Trias war ähnlich wie im Ostprofil. Es liegen hier indes außerdem noch Anzeichen dafür vor, daß zwischen dem Kristallin und der Trias (Buntsandstein) auf diesem Profil auch noch Perm (Rotliegendes und Zechstein im Taubergrund) in größerer Mächtigkeit eingeschaltet ist.