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Der Wealden in der Braunschweiger Bucht

Roll, Artur

Kurzfassung

Eine größere Anzahl von Bohrungen am und in der Umgebung des Salzstockes von Mölme hat recht genaue Einblicke in den Aufbau und die Mächtigkeit des Wealden-Profils ergeben, wobei neben der unmittelbaren Beobachtung gekernter Profile auch elektrische Messungen nach dem System Schlumberger verwertet werden konnten. Eine lokale Gliederung in verschiedene Sandstein- und Tonsteinbänke ließ sich ermitteln. Der Wealden setzt im Bohrfeld mit etwa 50 m Mächtigkeit ein und keilt gegen S aus. Drei Ursachen wirken bei dem Ausdünnen zusammen: An der Basis besteht übergreifende Lagerung; jede einzelne Bank wird gegen Süden dünner; das schwach schräggestellte Wealdenprofil wird durch die Transgression der Mittleren Polyptychiten-Schichten des Valendis gekappt. Die drei Effekte gehen in ihrer Richtungstendenz einander beinahe parallel; die Kappung durch die Valendis-Transgression spielt dabei jedoch weitaus die größte Rolle. Wenn also in Richtung auf die "Hildesheimer Halbinsel" heute Wealden, Valendis und Hauterive jeweils weiter vorgreifen, so ist dieses einfach erscheinende Bild nicht durch einen einheitlichen Transgressionsvorgang entstanden. Vor der Transgression der mittleren Polyptychiten-Schichten ist vielmehr eine ursprünglich weit nach Süden hin ausgebreitete Wealdendecke zurückgeschnitten worden. Dies dürfte für den ganzen Wealdenaußenrand von Hannover bis Braunschweig gelten; bei Rautenberg östlich von Hildesheim liegen aus Bohraufschlüssen, ähnlich wie für Mölme, unmittelbare Beweise dafür vor. Der Wealden stößt dabei offensichtlich zwischen den Salzstöcken weit nach Süden vor. Die stratigraphische Einstufung des gesamten Wealdenprofils ist noch nicht lückenlos gelungen. Kurz über der Basis des Wealden von Mölme-Hoheneggelsen fand sich eine marine Sandsteinbank mit Trigonia sp. und Austern, begleitet von einer dünnen Tonschicht, die Foraminiferen und Ostracoden führt, welche Herr WOLBURG als Wealden 4 bestimmen könnte. Mindestens hier setzte also die Transgression des Wealden verhältnismäßig spät ein. Schon im benachbarten Rautenberg aber ist auch Wealden 1 bekannt geworden. Es wird erst nach weiteren Ostrakodenfunden möglich sein, das komplizierte paläogeographische Bild in seinen Details aufzuhellen. Auch über die Sandschüttungen ist noch nichts Definitives zu sagen. Wir wissen lediglich, daß vom Hils, wo eine Bohrung über 200 m fast rein tonigen Wealdens erschlossen hat, bis in die Gegend von Edesse der Sandgehalt laufend zunimmt.