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Die tektonische Entwicklung des Schwarzwälder Grundgebirges und ihr Abbild

Hoenes, Dieter

Kurzfassung

Wie sich an Dünnschliffen zeigt, können aus der Gefügeentwicklung der Gesteine des schwarzwälder Grundgebirges die folgenden prävariszischen und frühvariszischen Durchbewegungsphasen abgelesen werden: 1. Regionale (prävariszische) Verschieferung der ältesten, vorwiegend detritischen Sedimentserien. - Parallel zu den hierbei gebildeten s-Flächen findet - vor allem im Gebiet des zentralen Südschwarzwaldes - unter intensiver Aufblätterung die Intrusion der ältesten granitischen bis aplitgranitischen Magmenförderungen statt. Es bilden sich hierdurch ausgedehnte Mischgesteinskomplexe. 2. Regionale (prävariszische) parakristalline Durchbewegung des gesamten Gesteinsbestandes: Entstehung von Ortho-, Para- und Mischgneisen sowie im zentralen Südschwarzwald von Granuliten und Mischgranuliten. Hierauf folgt die 3. Bildung schmaler Mylonitzonen in den Granuliten und Mischgranuliten des zentralen Südschwarzwaldes (Gebiet von Horbach-Wittenschwand und Todtmoos). Die entscheidende und abschließende Prägung des Grob- und Feingefüges des überwiegenden Teiles aller älteren Gesteine wird sodann herbeigeführt durch eine: Regionale (prävariszische) anatektische Umgestaltung (Metatexis, Plagioklas- bzw. Kalifeldspatmetablastesis) oder gebietsweise auch durch eine allgemeine posttektonische Neukristallisation. Die unter 3. genannten Mylonite werden hierbei in Blastomylonite umgeprägt. 4. Zonenweise (frühvariszische = bretonische) postkristalline Durchbewegung der ältesten variszischen Granite und ihrer Kontakt- und Mischgesteine (Randgranit der Kulmmulde, Nordrand des hybriden Mambacher Granits usw.). 5. Bildung von Ultramyloniten auf kulmischen und spätkulmischen Bewegungsfugen - besonders innerhalb der Kulmmulde von Badenweiler-Schönau am Südhang des Belchen sowie im Klemmbachtal bei Badenweiler. Ergebnis: Die tektonische Entwicklungsgeschichte des schwarzwälder Grundgebirges läßt eine zunehmende Lokalisierung der tektonischen Bewegungen und Magmenförderungen und damit eine wachsende kratonische Versteifung des Gebirgsbaues deutlich erkennen.