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Marin beeinflußte Flöze des Ruhrkarbons

Kremp, Gerhard

Kurzfassung

Da Salzwasser anzeigende Mikro- oder Makrofossilien nicht immer erhalten sind und ihr Fehlen keineswegs immer auf das Fehlen einer marinen Beeinflussung schließen läßt, hat man versucht, auch aus gewissen Eigenschaften der Kohle auf eine marine Beeinflussung der Flöze im Torfstadium zu schließen. So pflegen sich nach den Untersuchungen von DAUB u. a. marin beeinflußte Kohlen durch folgende Merkmale auszuzeichnen: Anhäufung kleiner Schwefelkieskonkretionen - höherer Vanadium- und niedriger Titangehalt, relativ niedriger Sauerstoffgehalt, relativ hoher Wasserstoffgehalt, relativ großes Treibvermögen -, bessere Leitfähigkeit des Retortenkokses. Es wird dabei angenommen, daß das alkalische Meerwasser die Humussäuren neutralisierte und so das Bakterienleben förderte. Soweit sich diese Tätigkeit unter Sauerstoffabschluß vollzog, führte sie zu einem Abbau des Sauerstoffs in der Kohle und damit zu einer relativen Anreicherung des Kohlenstoff- und Wasserstoffgehaltes, der wiederum das große Treibvermögen der Kohle bedingt. Was die Beweiskraft dieser kohlenpetrographischen Merkmale marin beeinflußter Flöze anbetrifft, so wird der Geologe in einzelnen Fällen einen Zweifel nicht unterdrücken können. Denn gerade über der Wealdenkohle von Minden, die sich durch hohen Treibdruck, gutes Backvermögen und hohen Schwefelgehalt auszeichnet, fand sich bisher keine marine Fauna. Auch über Flöz Katharina der Zeche Beeckerwerth, das als der Prototyp eines marin beeinflußten Flözes angesehen wird, konnte keine marine Mikrofauna nachgewiesen werden. Vielleicht weist ein relativ hoher Wasserstoffgehalt lediglich auf einen guten Luftabschluß während der Ablagerung. Das ist aber bei jeder sapropelartigen Bildung auch im Süßwasser der Fall. Das gleiche gilt für den Pyritgehalt der Kohle, der auch in limnisch überlagerten Kohlen recht hoch sein kann.