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Marin beeinflußte Torfe an der deutschen Nordseeküste

von der Brelle, Günther

Kurzfassung

Im gesamten Bereich der deutschen Nordseeküste bis weit in den Unterlauf der Flüsse wird an der Basis der alluvialen Ablagerungen eine Torfschicht (der sog. Basistorf) angetroffen. Diese weiträumige Vermoorung ist auf das im Postglazial erfolgte Eindringen des Meeres in das Gebiet der heutigen südlichen Nordsee zurückzuführen. Die Transgression bewirkte einen Grundwasseranstieg, der sich noch weit landeinwärts bemerkbar machte. Das Meer schob einen ausgedehnten Versumpfungsgürtel vor sich her. Mit fortschreitendem Wasseranstieg wurden auch die Torfe überflutet und mit marinen Sedimenten bedeckt. Es lassen sich daher in den Basistorfen die verschiedenen Stadien einer marinen Beeinflussung des Torfes beobachten. Im einzelnen wurde die Entwicklung des Basistorfes bis zu seiner Überschlickung an dem Beispiel von drei Bohrungen aus dem Raum von Borkum erläutert. Die Torfhorizonte, die in den drei Bohrungen in verschiedenem Niveau liegen, können mit Hilfe der Pollenanalyse zeitlich eingeordnet und miteinander verglichen werden. Es ergibt sich, daß zu gleicher Zeit nebeneinander verschiedene Moortypen sich entwickelten und dementsprechend verschiedene Torfe zum Absatz kamen. Die Einwirkungen des Meeres sind im Torf aus minerogenen Beimengungen (Sand und Ton) und vor allem aus dem Auftreten von Diatomeen zu erschließen, denn die Kieselalgen bilden einen wichtigen Indikator für den Salzgehalt des Wassers, da sie in ihrer Verbreitung von diesem abhängig sind. Aus der Zusammensetzung einer Diatomeenflora lassen sich alle Übergänge vom Süßwasser bis zum Salzwasser ableiten. In den Torfen sind 3 Möglichkeiten einer marinen Beeinflussung zu unterscheiden: 1. Torfe in Küstennähe, die gelegentlich bei Hochwasser überschwemmt werden. Die kurzfristigen Überflutungen haben auf die Ausbildung der Moorvegetation keinen nennenswerten Einfluß, und der Aufbau des Torfes wird nicht weiter beeinflußt. Ersichtlich sind diese Überschwemmungen im Torfprofil an Ton- und Sandbeimengungen und an den Schalen armer Diatomeen. 2. Vom Meer aufgearbeitete Torfe. Das Moor grenzte in diesem Fall direkt an das Meer und wird von diesem zerstört. Auf den Resten des terrestrischen Moores lagert sich dann Brackwasserschilftorf (Darg) oder direkt mariner Ton ab. 3. Torfe, die unter Brackwasserbedingungen entstehen. Da das Schilf (Phragmites communis) noch einen Salzgehalt bis zu 1% verträgt, wird die Torfbildung trotz der zunehmenden Salinität des Wassers nicht unterbunden. Dieser Brackwasserschilftorf wird Darg genannt. Er unterscheidet sich vom Süßwasserschilftorf durch eine charakteristische Diatomeenflora. Meist stark mit Ton durchsetzt, bildet er die Übergangsschicht zwischen den Süßwasserablagerungen und den rein marinen Sedimenten.