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Küstennahe Torfmoore der Gegenwart und die Kohlenmoore der Karbonzeit

Teichmüller, Rolf

Kurzfassung

In den letzten 10 Jahren sind einige Arbeiten über Torfmoore durchgeführt worden, die neues Licht auf manche noch offene Frage nach der Entstehung der Ruhrkohlenflöze werfen. Ein solches Beispiel sind die Riedmoore der Everglades in Florida, von denen jetzt ausgezeichnete Untersuchungen von JOHN H. DAVIS vorliegen. Die Everglades haben eine Breite von 60 km und eine Länge von mehr als 100 km und werden allseits von Waldsümpfen und Wiesenmooren umrahmt. Sie sind eine Folge des feuchten Klimas (> 130 cm Niederschläge) und des ungewöhnlich geringen Gefälles (3 m auf 50-150 km). Die Riedzone schob sich langsam in die Seen vor, so daß jetzt Riedtorfe auf Seemudden ruhen. Trotz der geringen Mächtigkeit der nacheiszeitlichen organogenen Ablagerungen (etwa 3 m) unterscheiden sich die unteren Riedtorflagen von den oberen; Ligninähnliche Substanzen reicherten sich an, während Zellulose und Hemizellulose im selben Maße abnahmen, wie sie von den Bakterien zu Eiweiß umgeformt wurden. Von besonderem Interesse ist die Verwitterung der Floridatorfe in der trockenen Jahreszeit: Der Torf wird pulverig und schrumpft auf einen Bruchteil seines ursprünglichen Volumens zusammen. Infolge der Tätigkeit der Strahlenpilze reichert sich Kohlenstoff in den austrocknenden Torfteilchen an. Vielleicht sind manche Lagen von Zersetzungsfusinit in der Steinkohle auf ähnliche Weise entstanden. - Wichtig ist auch, daß sich in den Mangrove-Sümpfen an der SW-Küste Floridas, entgegen der Lehrmeinung, sehr wohl Torf bildet, wenn er auch mit Mergel und Sand verunreinigt ist. Von den riesigen Waldmooren an der Ostküste Sumatras und der Süd- und Westküste Borneos hat E. POLAK sehr wertvolle Beobachtungen veröffentlicht. 16m mächtige Torfe sind dort nicht selten. Nahe den Flüssen sind es nährstoffreiche Flachmoore mit nicht allzu saurem Torf. Flußferner fanden sich aber überraschenderweise auch sehr nährstoffarme Waldmoore mit Torfen, die nur 1-3% Asche und ein pH von 3-4,5 haben. Sie bilden große, flache Schilde, von denen allseitig das teebraune Wasser, das sich ausschließlich durch Regenwasser ergänzt, abfließt. Es sind im gewissen Sinne also trotz der Waldbedeckung Hochmoore. Vielleicht sind einige extrem aschenarme Kohlen des Ruhrkarbons auf ähnliche Moortypen zurückzuführen.