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Der Werdegang der Kohle - ein Bildbericht an Hand polierter Dünnschliffe

Teichmüller, Marlies

Kurzfassung

Der polierte Dünnschliff gestattet, die Kohle sowohl im auffallenden wie im durchfallenden Licht zu untersuchen und damit die beiden, bislang einseitig angewandten kohlenpetrographischen Untersuchungsmethoden (die in Europa übliche Anschliffmethode und die in Amerika bevorzugte Dünnschliffmethode) zu kombinieren. An Hand von gleichzeitig projizierten Auflicht- und farbigen Durchlichtbildern jeweils derselben Schliffstelle ergibt sich, wie sich Auflicht- und Durchlichtbild der Kohle ergänzen und daß die gleichzeitige Beleuchtung des polierten Dünnschliffs von oben und unten die besten Strukturbilder gibt. Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht muß betont werden, daß Dünnschliffe auch von hoch inkohlten Kohlen bis zu den Anthraziten hergestellt werden können. Allerdings bietet das Durchlichtbild gegenüber dem Auflichtbild etwa von der Fettkohle an keine wesentlichen Vorteile mehr, so daß man sich im allgemeinen bei den hoch inkohlten Kohlen auf die Anschliffmethode beschränken kann. Der Werdegang der Kohlen vom Torf bis zum Anthrazit, wie er sich im Mikrobild zeigt, wurde an Hand von Auflicht- und Durchlichtbildern polierter Dünnschliffe illustriert. Mit steigender Diagenese und Metamorphose nehmen Packungsdichte und Einregelung der Pflanzenteile sowie das Reflexionsvermögen der humosen Bestandteile ständig zu. Von der Glanzbraunkohle ab macht sich eine starke Vergelung aller humosen Bestandteile bemerkbar. Im Torf und untergeordnet auch noch in den Weichbraunkohlen läßt sich die Zellulose im Durchlicht durch ihre Anisotropie feststellen. Anistropieeffekte, die auf Einregelung der Kohlenkristallite in bestimmte Richtungen beruhen und durch die Metamorphose bedingt sind, sind im Durchlicht schon in der Glanzbraunkohle sichtbar, im Auflicht erkennt man sie erst in der Magerkohle. Oberbayerische Pechkohlen zeigen bei polarisiertem Durchlicht und gekreuzten Nicols manchmal eine sehr ausgesprochene "Mikroschieferung", die sonst in keiner Weise zu erkennen ist. In der Fettkohle gleichen sich die Protobitumen in ihren optischen Eigenschaften relativ schnell dem Vitrinit an und sind in Kohlen mit mehr als 25% flüchtigen Bestandteilen meist nicht mehr vom Vitrinit zu unterscheiden. Da der Vitrinit ständig an Reflexionsvermögen zunimmt und sich dabei immer mehr den stark reflektierenden Bestandteilen (Fusinit, Mikrinit) anpaßt, wird das Mikrobild der Kohle immer eintöniger. Der Anthrazit erscheint fast homogen, hier ist im nicht polarisierten Licht nur noch der Fusinit vom Vitrinit unterscheidbar.