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Ombrogene Moorbildungen in der Rheinischen Braunkohle

Thomson, PAUL W.

Kurzfassung

Wohl kein Forscher hat die Natur der Kohlenlager als fossile Torflager ehemaliger Moore so deutlich erkannt und ausgesprochen wie HENRY POTONIÉ. Alle weiteren Forschungen, soweit es sich um exakte Untersuchungen handelt, haben diese Gedankengänge bestätigen und erweitern können. Im Hauptflöz der rheinischen Braunkohle kann man alle Moortypen, von den Seeablagerungen über offene Niedermoore zu waldbedeckten Bruchmooren, erkennen. Während der Stillstandsphasen kam es zu Trockenwaldbildungen, die aber keinen Torf erzeugt haben, sondern nur Fusitlagen und Stubbenhorizonte hinterlassen haben. Der Sequoia-Trockenwald von KRÄUSEL und GOTHAN ist ein sehr charakteristischer Pflanzenverein besonders des mittleren Tertiärs gewesen, als Braunkohlenbildner hat er aber, wie schon JURASKY richtig erkannt hat, keine Rolle gespielt. Durch Waldbrände und Zersetzung ist hier viel mehr zerstört als aufgebaut worden. Alle diese Moortypen gehören zu den grundwasserbedingten oder topogenen Mooren im Sinne von L. VON POST und H. OSVALD. Bezeichnend für sie ist die periodische Überflutung, durch deren Dauer der Vegetationscharakter bestimmt wird. Längere Überflutungsdauer hemmt den Baumwuchs und fördert offene Riedgrasmoore. Da die Ernährung von der Seite aus erfolgte, so sind auch die Randzonen begünstigte Lagen und zeichnen sich bei gleicher Feuchtigkeit durch stärkeren Baumwuchs aus. Besonders in den Bruchwaldmooren können wir zahlreiche Vegetationstypen unterscheiden. Während der Taxodiaceen-Nyssaceen-Wald mehr die Randzonen und Initialzonen bevorzugt, spielen die anspruchsloseren Myricaceen-Moore, in denen ich durch Pollen (Poll. brühlensis und Poll. exactus) auch die Cyrillaceen nachweisen kann, in den zentralen und höheren Teilen eine größere Rolle. Topogene Moore von nennenswerten Torfmächtigkeiten können nur dort entstehen, wo ein dauernder Grundwasserspiegelanstieg stattfindet. Ein solcher ist meist, wie auch im Falle der rheinischen Braunkohle, durch tektonische Senkungserscheinungen bedingt. Das topogene Moor hat eine große, klimatische Verbreitung und kann an Flußufern und in Deltabildungen sogar in ariden Gebieten anzutreffen sein, wenn die hydrologischen und tektonischen Bedingungen es gestatten. Essen, 12. Februar 1952