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Die Bewertung der Molluskenbestände und der Molluskenfauna in altpleistozänen Sedimenten: Mosbach-Niederrhein-Holland

Steusloff, Ulrich

Kurzfassung

Aus den älteren Ablagerungen des Rheines, die vom Riß- (Saale-) Eise in die Stauchmoränen um Moers gepreßt wurden, konnte ein größerer Molluskenbestand geborgen werden (THELEN, STEUSLOFF), nachdem hier schon früher Paludina diluviana und Valvata naticina festgestellt wurden (STEEGER, P. G. KRAUSE). Daher ist es nun möglich, den Urrhein entlang die Molluskenbestände von Mosbach-Bieberich (SANDBERGER, NEUENHAUS, HAAS, WENZ), vom Niederrheine, aus Holland (TESCH) und Südost-England (KENNARD) zu vergleichen, soweit es die Unvollständigkeit der Aufsammlungen, die einseitige Auslese in Flußabsätzen und unsere mangelhafte Kenntnis über die Gestaltung der Lebensräume im Alt-Pleistozän gestatten. Noch weniger wissen wir darüber, ob die Molluskenschale, die ja nur vom Mantel des Tieres abgeschieden wird, in ihren Wandlungen wirklich ein brauchbares Abbild des jeweiligen Erbbildes darstellt oder ob darin höchstens Modifikationen eines variablen Artgefüges zu sehen sind (WENZ). Die große Masse der bisher beobachteten Arten ist schon im ausgehenden Pliozän geprägt, so daß wesentlicher das Kommen und Gehen der Arten im Beobachtungsraume (von den Alpe zur Nordsee; von Ost nach West) ist. Wenn in den Mosbacher Sanden 7 Arten vertreten sind, welche heute in den Alpen ihr Zentrum haben, und wenn keine dieser Arten (bisher) im holländischen und englischen Altpleistozän beobachtet wurde, so dürfte sich daraus die Berechtigung einer solchen tiergeographischen Betrachtungsweise ergeben. Weiter ist sehr auffällig, daß heute mediterrane Arten fast ganz im Alt-Pleistozän des Urrheines fehlen, während heutige Osteuropäer von Mosbach bis zur Themse gut vertreten sind: Goniodiscus ruderatus, Perforatella bidens, Paludina diluviana, Valvata naticina, Lithoglyphus pyramidatus, Theodoxus serratiliniformis. Daher ist die Annahme berechtigt, daß nach einer Kaltzeit die Neubesiedlung des Raumes in erster Linie aus dem pannonischen Raume erfolgte, während Pyrenäen und Alpen immer ein schweres Hindernis für die ohnehin nur schwach mit aktiven Verbreitungsmitteln ausgestatteten Mollusken darstellten. Für Paludina diluviana läßt sich heute nach neueren Untersuchungen (HUCKE, STEUSLOFF, SHADIN, FRANZ) sagen, daß sie ein Glied eines großen Formenkreises ist, der seine Wurzeln (Mannigfaltigkeitszentrum VAVILOVS) in Südosteuropa hat. Dort gedeihen noch heute neben- und miteinander P. fasciata, diluviana, pyramidata usw. Nach Nordwest hin nimmt die Mannigfaltigkeit ab, heute in stärkerem Maße als im Alt-Pleistozän.