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Zur Siedlungskunde der Stadt Essen

Weis, D.

Kurzfassung

Zwei Siedlungsperioden, die erstere durch die bäuerliche Kolonisation und die zweite durch die Industrialisierung ausgelöst, haben ihren Niederschlag im heutigen Stadtbild gefunden. Richtungweisend für die erstere aber waren die natürlichen Verhältnisse des Stadtgebietes. Das heutige Stadtgebiet Essen hat Anteil an zwei Großlandschaften, der westfälischen Bucht mit der Emschertalung und dem Hellweg sowie dem Rheinischen Schiefergebirge mit der Ruhrtalung und Teilen des Bergischen Landes. Von der zwischen 30 und 40 m + NN liegenden Emschertalung steigt das Gelände nach Süden allmählich an, erreicht im Hellweg Höhen von 40-100m und erhebt sich an der Landschaftsgrenze zum Bergischen Land, bedingt durch das Auftauchen des Karbons unter der nach Süden dünner werdenden Bedeckung von Schichten der oberen Kreide, steiler bis auf 165m, den höchsten Höhen nördlich der Ruhr. Von diesen fällt das Gelände auf 50m zur Talaue der Ruhr ab und erreicht im südlichen Stadtgebiet wieder Höhen von 180-200 m. Der Hellweg, dessen leicht hügeliges Relief durch einzelne von diluvialen Schottern geschützte Kreideerhebungen bedingt ist, ist durchweg von Lößlehm bedeckt. Diese Lößlehmbedeckung setzt sich am Anstieg des Gebirges noch fort, um dann in oft unterbrochener Decke, vornehmlich auf den Terrassenflächen der Ruhr, aufzutreten. Das Bergische Land bedarf durch die Wechsellagerung von Schiefertonen und Sandsteinen bodenmäßig einer Zweiteilung, da das Verwitterungsprodukt der ersteren bedeutend lehmiger ist, ganz abgesehen davon, daß gute hydrographische Verhältnisse nur in den Schiefertonmulden anzutreffen sind. Vom Hellweg nach Norden geht der Lößlehm in lehmig-sandige und sandiglehmige Böden über. Die schlechte Vorflut der Emscher in Verbindung mit dem stauenden Kreidemergeluntergrund brachte es mit sich, daß weite Teile der Emschertalung bis ins vorige Jahrhundert von nassen und sumpfigen Bodenpartien eingenommen wurden. Entsprechend dieser natürlichen Gliederung weisen der Hellweg und die Terrassenflächen der Ruhr die ältesten Siedlungen auf. Erst später (etwa 9. u. 10. Jahrh.) erfolgte die Besiedlung des Bergischen Landes. Die Emschertalung aber wurde durchweg nur als Heide und Waldweide genutzt.