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"Bretagnefahrt 1950"

Semmler, W.

Kurzfassung

Die geologische Lehrfahrt fand zusammen mit den Hörern der Geologischen Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule Saarbrücken im August 1950 statt. Sie hatte den Zweck, den Teilnehmern einen Überblick über die Abrasion an der Südküste der Bretagne und die verschiedenen Strandbildungen zu geben. Daneben sollten die säkularen Hebungen und Senkungen, die hier bis zu 1 cm jährlich im Durchschnitt ausmachen, an der Strandverschiebung studiert werden. Außerdem war das Studium des Schichtenaufbaus und der Tektonik der inneren Bretagne wesentlicher Inhalt der Fahrt. Die beiden Vorträge wollten aber nicht nur die geologischen Verhältnisse der Bretagne, sondern auch die Geographie, die Hydrologie, die Wirtschaft und die Bewohner dieser einmaligen Halbinsel darstellen. Im ersten Vortrag wurde zunächst eine Anzahl Bilder aus dem Granulit der Cornouaille-Falte gezeigt. Klüftung, Verwitterung, Gewinnung und Verwendung des Granits, der der Landschaft ihren eigentümlichen Charakter verleiht, zeigen viel Bemerkenswertes. An der Pointe du Raz und der Bucht von Trépassées ist die Tätigkeit des Meeres besonders eindrucksvoll. In der letzteren streicht die stefanische Karbonmulde von Quimper aus. Die weniger widerstandsfähigen Gesteine haben einen tiefen Einschnitt des Meeres zur Folge gehabt, der durch einen kleinen, aber in reizvoller Umgebung gelegenen Sandstrand begrenzt wird. Auf der Halbinsel Penmarch ist der Granit an der Küste beim Leuchtturm von Eckmühl in einer eindrucksvollen Abrasionsküste bei Ebbe freigelegt. Die Bucht von Audierne weist den größten Sandstrand von Finistère auf und ist durch einen wohl einzig dastehenden Strandwall von den dahinterliegenden Dünen getrennt. Hier am Strande konnte die Einbettung der Gerölle in den Sand gut beobachtet werden. Eine Fahrt in das Innere der Bretagne zum Granitmassiv von Huelgoat und in die Monts d'Arrée ließ die Morphologie dieses Landesteiles, aber auch die Landwirtschaft in ihrer Mannigfaltigkeit erscheinen. Die Lagerstätten dieses Raumes, Blei-Zinkerz, sind nicht mehr Gegenstand eines Bergbaues. Dagegen wird der Dachschiefer in der Montagne Noire bergmännisch gewonnen. Auch das tertiäre Tonvorkommen von Toulven steht im Abbau und bildet die Grundlage der weltberühmten Fayence von Quimper. Während für diese Exkursionen als Standort Quimper gewählt worden war, fanden die folgenden, die im zweiten Vortrag behandelt wurden, von Vannes aus statt.