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Die Gesellschaftsgeschichte der Pflanzen vom Paläozoikum bis zur Jetztzeit

Potonié, Robert

Kurzfassung

Es wurden unter anderem folgende Thesen durch Tatsachen wahrscheinlich gemacht: Wie Arten sprunghaft entstehen, so formen sich sprunghaft auch (als Ganzheiten höherer Ordnung und Differenzierung) die Pflanzengesellschaften. Der Aufbau einer Pflanzengesellschaft bis zum Stadium ihrer höchsten Differenzierung bedarf langer Zeiten und dient der immer stärkeren Ausnutzung eines einmal gegebenen Raumes. Der Ausbau der Gesellschaft durch Hervorbringung neuer Arten erfolgt da am ungestörtesten, wo die geologischen Grundbedingungen möglichst konstant bleiben. Diejenigen Veränderungen der Erdoberfläche, die am stärksten auf die Entwicklung der Organismen einwirken, erfolgen durch die Organismen selbst. Sie vollziehen sich durch die Ausgestaltung der Gesellschaft, d. h. durch die dabei entstehenden neuen Bedingungen. Zudem unterliegt die Soziogenese einem Rhythmus. Es zeigt sich 1. die Auffüllung der Gesellschaft durch Abwandlung vorhandener Baupläne (Amplifikation), 2. die Phase höchster Auffüllung (Bioananke), 3. das Absinken der Artenzahl und die akzessorische Einschaltung grundlegend neuer Baupläne (Interpolation), 4. die Umschichtung durch explosives Überhandnehmen der neuen Typen (Permutation). Nachdem der Zyklus so geschlossen ist, setzt neue Amplifikation ein und damit Wiederholung des Zyklus. Es wird vermutet, daß dieser Rhythmus zwar von geologischen Ereignissen beeinflußt wird, daß er aber am reinsten da verläuft, wo keine sekundären Störungen mitwirken. Man vergleiche eine Arbeit, die das Amt für Bodenforschung, Hannover, als Beiheft Nr. 5 zum Geol. Jb. herausgegeben hat.