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Befahrung der Eisenerzgruben Neue Lust bei Nanzenbach und Königszug bei Oberscheld Exkursion am 24. Mai 1952

Lippert, H. J.

Kurzfassung

Auf Grube Neue Lust bei Nanzenbach (M.-Bl. Oberscheld) wurde der tiefe Stollen (+ 430,6 m) befahren. - Die Grube baut das Roteisenstein-Grenzlager an den Flanken zweier Muldenstücke in der Nanzenbacher Mulde ab. Beide Muldenstücke, im SE die Heidemulde und im NW die Rothensteiner Mulde, stoßen an der zwischen beiden schräg zum Generalstreichen verlaufenden Hauptüberschiebungszone ab. Der befahrene Stollen quert diese Mulden und die Hauptüberschiebungszone. In den Grubenaufschlüssen wurden gezeigt: Mitteldevonischer Schalstein und Diabasmandelstein, Roteisenstein-Grenzlager, Adorf-, Nehden- und Hemberg-Stufe. Während die Adorf-Stufe im unteren Teil aus bunten Tuffen mit hellgrauen und rotbunten Schiefern mit gelegentlichen Kalkbänkchen in der Fazies der Buchenauer Schichten besteht, treten nach oben dunkelgraue bis schwarze gebänderte, z. T, schwefelkiesreiche Schiefer auf, die den Büdesheimer Schiefern ähneln. Die Nehden-Stufe wird vertreten durch bankige, stellenweise quarzitische Sandsteine. Die darüber folgenden Rotschiefer gehören bereits zur Hemberg-Stufe. Noch höheres Oberdevon wird im Bereich des tiefen Stollens nicht angetroffen. - Im Roteisenstein war der Wechsel von Erzbänken und Bändchen mit Tuffen und Schiefem der Buchenauer Schichten gut sichtbar. Unter den Auswürflingen in den stellenweise grob-brekziösen Tuffen der Buchenauer Schichten fanden sich Brocken von Eisenkiesel (aus dem Grenzlager), mitteldevonischem Schalstein und Mandelstein; ferner Kalke, Tuffe und Schiefer des tiefsten Oberdevons. Bemerkenswert war vor allem das Auskeilen von Erz und bunten Tuffen (Buchenauer Schichten in der tieferen Adorf-Stufe) an einem Rücken von Diabasmandelstein, der erst von schwarzen Schiefern (Büdesheimer Schiefer der oberen Adorf-Stufe) in übergreifender Überlagerung bedeckt ist. - Neben diesen Erscheinungen zur Stratigraphie und Erzbildung, die für eine Syngenese von mitteldevonischem Schalstein, Mandelstein und Erz sprachen, konnten zur Tektonik eine Reihe von Aufschlüssen betrachtet werden, die das Faltenbild des nordöstlichen Dillgebietes kennzeichnen. - Auf Grube Königszug im Scheldetal, oberhalb Oberscheld, wurden im westlichen Baufeld der Grube Teile des Anna-Stollens (+ 278 m) und der 150-m-Sohle (+ 162 m) vom Westschacht aus befahren. - Die Grube baut auf dem Nordflügel der Eibacher Mulde das Roteisenstein-Grenzlager, den sogenannten Eibacher Lagerzug, ab.