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Das Scheitelproblem

Quiring, Heinrich

Kurzfassung

Bevor LEPPLA (1921) die ersten tektonischen Divergenzen im Hunsrück erkannt hatte, war man davon überzeugt, daß einheitlich gebauten Faltengebirgen, wie dem Rheinischen Schiefergebirge, eine gleichsinnige Neigung der Faltenebenen eigen sei. Man erschloß daraus eine meist nördliche Schubrichtung des faltenden Tangentialdruckes. So hatte zwar BORN (1925) in Anlehnung an LEPPLA den Schieferungsfächer des Hunsrücks in den Taunus verfolgt und die Bedeutung dieses Scheitels hervorgehoben, hielt aber streng an der üblichen Vorstellung eines einheitlichen Faltenwurfs fest und zeichnete seinen Profilen auch bei NW-fallender Schieferung SE-fallende Faltenebenen ein. Meine Kartierungsarbeiten für die Herausgabe des Blattes Koblenz 1:20 0000 von 1924-1926 ergaben jedoch auch in den NW-geneigten Schieferungszonen NW-geneigte Faltenebenen, also eine einfach zu deutende Parallelität von Schieferung und Faltenebenen (H. QUIRING, 1928, S. 75) im "Koblenzer Pressungsgelenk" und im Scheitel des Taunus (H. QUIRING, 1930, S. 2). Es ist das Verdienst von H. STILLE (1930), diesen Fragen weiter nachgegangen zu sein und auch bei anderen Geologen Interesse für die Kon- und Divergenz von Faltung und Schieferung geweckt zu haben. Vor allem zeigten Untersuchungen in den Alpen und Pyrenäen, daß Faltenbündel und Faltenscheitel weitverbreitet sind. Die Genesis dieser Kon- und Divergenz von Faltenebenen zu ermitteln, haben nur wenige Geologen unternommen. Mit der Zurückführung derartiger Sonderformen im Rheinischen Schiefergebirge auf nachträgliche Transformation bereits vorgebildeter Falten- und Schieferungszonen glaubte ich 1939 eine plausible Lösung gefunden zu haben. Ich stehe auch heute noch zu ihr, muß jedoch nach einer Alpen-Exkursion (1951) zugeben, daß ähnliche Formen in den jungen Kettengebirgen eine andere, ja sogar eine einfachere Deutung gestatten.