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Über das geologische Alter der jüngeren Braunkohlenablagerungen und den stratigraphischen Wert pflanzlicher Reste

Quitzow, Hans Wilhelm

Kurzfassung

In den letzten beiden Jahrzehnten ist das vorher ziemlich einheitlich beurteilte geologische Alter unserer wichtigsten jüngeren Braunkohlenablagerungen Gegenstand erheblicher Meinungsverschiedenheiten gewesen. Diese betreffen vor allem die ausgedehnten nord- und ostdeutschen Vorkommen sowie die niederrheinische Braunkohlenformation. Beide Schichtserien galten stets als gleichaltrig, wobei man ihnen in Anbetracht ihrer Lagerung im Hangenden des marinen Oligozäns ein miozänes Alter zuschrieb. Über die Stellung innerhalb des Miozäns gingen die Ansichten jedoch etwas auseinander, außerdem ließ sich sowohl in der Niederlausitz wie am Niederrhein für bestimmte tiefere Teile der festländischen Schichtfolge ein noch oberoligozänes Alter vermuten. Die meisten Autoren stellten die Braunkohlenschichten ins untere Miozän, nachdem BERG (1913) darauf hingewiesen hatte, daß im Unterelbegebiet solche Ablagerungen von marinem Mittel- und Obermiozän bedeckt werden. Es bedeutete also etwas grundsätzlich Neues, als BREDDIN (1932 a) für die gesamte niederrheinische Braunkohle die Vermutung eines ausschließlich oberoligozänen Alters aussprach. Die zwar nicht bewiesene, aber zu den damals bekannten Aufschlüssen nicht in Widerspruch stehende Annahme einer Verzahnung des Hauptbraunkohlenflözes mit marinem Oberoligozän fand im Laufe der Zeit vielfach Anerkennung, und als Folge machte sich die, wie man heute sagen kann, nicht sehr glückliche Tendenz bemerkbar, alle zum niederrheinischen Hauptflöz irgendwie in Beziehung zu bringenden festländischen Schichten um einen entsprechenden Betrag tiefer einzustufen. Namentlich von paläobotanischer Seite wurde verschiedenen fossilen Floren nunmehr ein höheres Alter zugeschrieben, und zwar nicht nur im Bereich der Niederrheinischen Bucht selbst, sondern z. T. bis weit nach Ostdeutschland hinein. WEYLAND (1934) z. B. stellte Blattreste aus dem bis dahin für pliozän angesehenen Deckgebirge des Tagebaugebietes der Ville ins mittlere oder gar untere Miozän, und er übertrug dieses Alter auf die ähnliche Blättflora von Schoßnitz bei Breslau.