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Beziehungen von Elbe und Weser zu den eiszeitlichen Spiegelschwankungen der Nordsee

Illies, H.

Kurzfassung

Die zur Deutschen Bucht mündenden Flüsse haben ihre Gefällskurven auf den glazial fallenden und interglazial steigenden Nordseespiegel einstellen müssen. Die Wechselbeziehung verhält sich anders als von verschiedenen Autoren (GRAHMANN, PFANNENSTIEL, SMIT SIBINGA, ZEUNER) außerhalb der Deutschen Bucht festgestellt, denn hier sind der Küste ebene Watten- und Flachmeergebiete vorgelagert, die gefällsschwächer sind als die einmündenden Flüsse, anderenorts jedoch gewöhnlich ein stärker geneigter Schelf. Die untere Elbe ist erstmalig während der Warthe-Vergletscherung (Jung-Riß) als kleiner Schmelzwasserfluß nachzuweisen. Entsprechende Schmelzwasserkiese liegen bei Hamburg um 15m über Tal. Zu Beginn der letzten Zwischeneiszeit hat sich der Fluß vertikal und rückwärtig erheblich eingeschnitten, wie aus der Höhenlage von Interglazialvorkommen ablesbar. Am Schluß dieser Zwischeneiszeit erfolgt, vom heutigen Aue-Niveau ausgehend, die Aufschüttung mächtiger Talsande, deren Oberfläche bei Hitzacker 30 m, bei Hamburg 20 m und bei Hemmoor, nur etwa 20km von der heutigen Mündung entfernt, noch 12m über Tal gelegen ist. Als die Schmelzwassermassen der letzten Eiszeit das zunächst nicht über die Havelmündung stromaufwärts reichende Urelbetal zum Urstromtal ausräumten, erfolgte erneut eine Einschneidung bis zum heutigen Talniveau und darüber hinaus. Auf das allmähliche Versiegen der Schmelzwässer am Ende der Weichseleiszeit reagierte der Fluß zunächst durch Aufschotterung, bis mit der Nacheiszeit wieder eine starke Erosion einsetzt, die bei Hamburg nach KOCH & HALLIK bis - 18 m NN reicht. Der Einschneidung folgt die holozäne Aufschlickung der Flußsande und Marschen. Es herrscht demnach folgender Rhythmus: beginnendes Interglazial mit Einschneidung, beginnende Eiszeit mit Aufschüttung, Höchststand Interglazial und Eiszeit etwa heutiges Talniveau. Ganz anders verhält sich die untere Weser. Ihren heutigen Lauf verdankt sie Schmelzwässern des Lamstedter Vorstoßes (Mittel-Riß), wobei sich der Abfluß wiederum im Niveau 15 m über Tal vollzog. Die Ausräumung des Aller-Weser-Urstromtals während der Warthe-Vergletscherung erreicht erstmalig das heutige Talniveau, welches fortan nahezu erhalten blieb.