Original paper

Die erdgeschichtliche Entwicklung im Raum Norderney

Dechend, W.

Kurzfassung

Der Raum zwischen dem ostfriesischen Festland und den Inseln Juist und Norderney hat seit der Saaleeiszeit verhältnismäßig hoch gelegen. In eine nach Osten ansteigende Grundmoränenebene sind bald nach dem Rückzug des Saaleeises tiefe Fjorde eingeschnitten worden, in die im Saale-Weichsel-Interglazial das Meer zuerst eindrang und von hier aus im Verlauf der weiteren Transgressionen die tiefer gelegenen Teile der Geest überflutete. Von den 3 Rinnen, die für die Entwicklung dieses Gebietes von Bedeutung waren, gehören die beiden westlichen ("Juister Rinne" und "Bants-Balje") zum Mündungsästuar der Ems. Die aus der Hager Geest kommende "Norderneyer Rinne" war von diesen durch eine Schwelle bei Norddeich getrennt, im Osten von der Halbinsel von Hilgenriede begrenzt. Zwischen den Rinnen war ein Watt, am Festlandssaum ein Vorland ausgebildet. Während der Regression des Eem-Meeres kamen die aus Mehlsand und Feinsand bestehenden Sandwatten unter den Einfluß des Windes, der den Sand in südlicher Richtung verfrachtete und ihn als dünne Decke über den festlandsnahen Meeresabsätzen und auf dem älteren Festland ablagerte. Während der Weichselvereisung blieben die orographischen Verhältnisse im wesentlichen erhalten, da der Boden durchgefroren war. Mit dem Temperaturanstieg nach der Weichseleiszeit setzte die Entwässerung der Geest durch die eemzeitlichen Rinnen wieder ein. Die höherliegende, end-eemzeitliche Flugsanddecke wurde in der Gegend der heutigen Inseln und Watten zerstört und daraus eine neue Flugsanddecke gebildet. Zu Beginn der holozänen Transgression der Nordsee lag das Gebiet wiederum relativ hoch. Deshalb setzte hier die Vermoorung erst im frühen Atlantikum ein. Die Entwässerung der Geest erfolgte weiterhin durch die bereits vorhandenen Rinnen, die aber brackischen Charakter hatten. Die tonigen Absätze dieses Brackwassers finden sich überall am Rande der Priele des Atlantikums und Subboreals.