Original paper

Klimatische Gliederung von Terrassenschottern

Richter, Konrad

Kurzfassung

Die besonders von SOERGEL und seinen Schülern vertretene glazial-klimatische Theorie der Bildung von Flußterrassenschottern stößt in letzter Zeit auf immer weiter gehende Kritik, die WOLDSTEDT in ein neues Schema zu fassen versuchte. Seine theoretischen Überlegungen führten dazu, im Mittellauf unserer seewärts führenden Flüsse für den Basisteil mancher Schotterkörper eine kalte, für den Mittelteil eine warme und für den Hangendteil wieder eine kalte Bildungszeit möglich erscheinen zu lassen. Eine solche Abfolge wurde von K. RICHTER (1952) z. B. für die Mittelterrasse der Weser bei Hameln durch Anwendung der morphometrischen Geröllanalyse nach CAILLEUX und TRICART wahrscheinlich gemacht. Weitere Untersuchungen von K. RICHTER in Mittelterrassenschottern der Innerste bei Osterlinde, der Mittelterrasse der Leine bei Alfeld, älterer Schotter bei Salzgitter-Lebenstedt und Niederterrassenschottern der Leine bei Hannover-Döhren sowie der Weser bei Minden ergaben in allen Fällen das Bild einer größeren Geröllzurundung im Mittelteil der Terrassenkörper. Nach den Deutungsprinzipien von CAILLEUX und TRICART würde das in Anbetracht des mehr oder weniger gleichartigen Gefälles der untersuchten Punkte als ein Wandel von kaltem über warmes zu kaltem Klima zu deuten sein. Diese Deutung wurde durch statistische Auszählung der Geröllkomponenten unterbaut, wobei der Anteil an nordischem Feuerstein in einigen Schotterkörpern sowohl in der Basis wie im Hangenden größer war als im Mittelteil. Auch das läßt sich am ehesten in ähnlicher Weise deuten. Zur Bildungszeit des Basisteiles und Hangendteiles war das Klima periglazial, also vegetationsarm, so daß von den benachbarten Hängen eine stärkere Einspülung nordischer Geschiebestreu erfolgen konnte. Zur Bildungszeit des Mittelteiles war das nicht der Fall, so daß hier die Anteile aus den deutschen, nicht mehr mit nordischer Geschiebestreu bedeckten Gebirgsteilen steigen. Es wurde somit wahrscheinlich gemacht, daß auch ohne Faunen- und Florenfunde eine klimatische Deutung von Terrassenschottern möglich ist, die es erlauben wird, die Gliederung unserer Flußterrassen exakter durchzuführen.