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Zur Entstehung und Ausbreitung der Angiospermen im Mesophyticum

Thomson, Paul W.

Kurzfassung

Einigermaßen sichere Angiospermenreste sind seit dem Rhät bekannt. Wenn auch die Blätter- und Holzfunde mehrdeutig sind, so sprechen die vom Lias an regelmäßig auftretenden tricolpaten Pollenformen eindeutig für Angiospermen, und zwar mit großer Wahrscheinlichkeit für Dikotyledonen (G. ERDTMAN, G. F. F. 1948). In tonigen Proben, die sicher in offenen See- oder Meeresräumen abgelagert worden sind, habe ich auch im norddeutschen Raume zahlreiche Angiospermenpollenkörner beobachten können. In den jüngeren, reinen Wealdenkohlen habe ich dagegen bis jetzt keine derartigen Pollenformen feststellen können. (Bei weiterem Suchen dürften sie sich auch hier finden.) Dieses Fehlen bzw. seltene Auftreten von Angiospermenpollen in der Wealdenkohle läßt darauf schließen, daß diese Angiospermen in den ausgedehnten Wealdenmooren fehlten. Da sie aber in älteren, subaquatischen Ablagerungen auftreten, bleibt nur der Schluß, daß sie Gebiete bewohnten, die weit ab von den großen Mooren lagen. Die Angiospermie ist ja eine Schutzeinrichtung der Megasporangien oder Samenanlage gegen ungünstige Bedingungen, und so dürften die älteren Angiospermen in trockneren Räumen, wo ihre makroskopischen Reste nicht zur Ablagerung gelangen konnten, während der Jurazeit gelebt haben. (Die Frage, wieweit es sich um eine Steppen- oder Gebirgsvegetation gehandelt hat, muß z. Z. offen bleiben.) In den humiden Räumen, wie es etwa die ausgedehnten Wealdenmoore waren, konnten sie damals im Konkurrenzkampf gegen Pteridophyten und Gymnospermen nicht aufkommen. Während der unteren Kreide erfolgte nun eine langsame Eroberung der humiden Gebiete, und zwar sehr allmählich in der Zeit vom Valendis bis zum Alb. Die weitverbreitete Annahme vom plötzlichen Erscheinen der Angiospermen in der Kreide wird damit revisionsbedürftig. Mit den differenzierten Formen des Mesophyticums, den Bennititales, Caytonales, Corystospermales usw., die die Angiospermie auf einem anderen Wege gelöst haben, haben unsere heutigen Angiospermen nichts zu tun. Nach H. WALTON dürften sie den paläozoischen Pteridospermen, die mehrere Samenanlagen in einer Cupula bilden, wie Calathiops u. a., phylogenetisch näher stehen.