Original paper

Montangeologische Aufgaben im Steinkohlenbergbau, erläutert am niederrheinisch-westfälischen Revier

Hahne, Carl

Kurzfassung

Es ist allgemein bekannt, daß der Steinkohlenbergbau vieler Reviere, so besonders auch der im niederrheinisch-westfälischen Revier, mit zunehmenden Schwierigkeiten zu kämpfen hat, die zum großen Teil im Gebirge begründet sind. So wächst mit dem Vordringen in immer größere Teufen der natürliche Gebirgsdruck, von dessen Beherrschung der Abbau der Kohlenflöze entscheidend abhängig ist. - Das Grubenklima verschlechtert sich, z. B. durch Zunahme der Gebirgstemperaturen, die sich dem Grubengebäude mitteilen, vielerorts so erheblich, daß die bekannten technischen Mittel nicht mehr ausreichen, erträgliche Arbeitsbedingungen herzustellen. Besonders kritisch wird das, wenn heiße Wässer, beladen mit Gasen und Mineralsubstanzen, zusetzen und die an sich schon hohen Temperaturen noch höher treiben und durch Feuchtigkeit noch unerträglicher machen. - Grubengas wird infolge der stärkeren natürlichen und künstlichen Beanspruchung des Gebirges in größerem Maße frei und führt zu erhöhter Schlagwettergefahr. - Die Gebirgslagerung wird vielerorts komplizierter, derart, daß z. B. wegen gehäuften Auftretens von Störungen mit Zerrüttungszonen der Abbau mancher Flözpartien unrentabel oder gar unmöglich wird. Mit dem Vordringen in die Randgebiete andererseits werden, z. B. im Ruhrrevier, aber auch anderswo, die Deckgebirgsverhältnisse schwieriger, so daß das Teufen von Schächten auch mit modernen technischen Methoden immer risikoreicher und kostspieliger wird. Die begehrten Flöze fallen in immer größere Tiefen ab, so daß sie mit den heutigen bergmännischen Methoden kaum mehr erreicht, gebaut und gefördert werden können. Da diese Schwierigkeiten zum großen Teil durch das Gebirge verursacht werden, wird man zunächst versuchen müssen, sie durch verbesserte Kenntnis des Gebirges und seines Verhaltens bei den verschiedenen bergmännischen Arbeiten vom Gebirge selbst her zu erklären, zu bekämpfen und womöglich zu beseitigen. Man wird sich also mehr mit dem Gebirge befassen müssen, als das bisher bei noch wesentlich einfacheren Verhältnissen notwendig war.