Original paper

Die Bielefelder Garantianen-Knollen als paläobiologisches Objekt

Wetzel, W.

Kurzfassung

Einleitung Schon mehrfach finden sich in der Literatur Hinweise auf die eigentümlichen Fossilklumpen, die im Tonsediment der Bielefelder Pseudogarantianen-Schichten stecken (ALTHOFF, 1938; BENTZ, 1928; WETZEL, 1924, S. 165, und 1953). Aber die Deutung dieser Bildungen wurde bisher nicht versucht. Es handelt sich um faust- bis kindskopfgroße Zusammenballungen von Fossilien mannigfacher Art und Größe, wobei ein schwach toniger Kalk als Bindemittel funktioniert. An der Peripherie gehen diese Kalkknollen allmählich in das normale Tonsediment über. Letzteres ist als wenig fossilreich und als Produkt eines raschen und kontinuierlichen Sedimentationsprozesses (ohne irgendwelche Aufbereitungs- oder Unterbrechungsphasen) zu bezeichnen. Von den Fossilklumpen ist bekannt, daß ihr organischer Inhalt, insbesondere die Ammoniten, massenhaft und in ungewöhnlich guter Erhaltung vorgefunden wird. Bei der üblichen Präparation mit Meißel und Zange ist aber nicht zu vermeiden, daß schätzungsweise 80% der miteinander vergesellschafteten Fossilien geopfert werden, wenn 20% freigelegt werden sollen, so gedrängt, ja ineinandergeschachtelt, ist die Zusammenhäufung. Bei eigenen Präparationsversuchen, die schon sehr viele Jahre zurückliegen, ist mir bezüglich der Fossilerhaltung aufgefallen, daß die Konchylien nicht nur unverdrückt und mit vollständigen Schalen vorhanden sind - die Ammoniten stets mit ihren Wohnkammern -, sondern daß auch die Aptychen der Ammoniten gefunden werden, obwohl sie gerade bei den vorherrschenden Garantianen von recht zartem Bau sind, und daß die Belemniten ihre Phragmokone in ungewöhnlicher Vollständigkeit zeigen. Bei Muscheln ist die Epidermis oft gut erhalten. Regelmäßig, wenn auch in geringer Menge, fanden sich Fischschuppen und Krebsbeine. Besonders auffällig schien mir der wiederholte Fund ausgebrochener Saurierzähne. An letzteren Befund konnte sich möglicherweise ein Deutungsversuch anknüpfen. Die Angelegenheit wurde aber nicht weiter verfolgt, da bei den bisherigen Präparationsmethoden ein quantitativer Einblick in diese "Taphosynusien" unmöglich schien.