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Das südliche Münsterland als Schnittflächen-Landschaft

Arnold, H.

Kurzfassung

Im Raume Lünen-Wiedenbrück-Münster, dessen Zentrum die sog. Beckumer Berge sind, bilden senone Tonmergel mit Einschaltung von Kalkmergeln und Mergelkalken den Untergrund. Diese Schichten santonen und campanen Alters sind meist verhüllt von pleistozänen Sedimenten, deren Mächtigkeit oft nur 1 m beträgt und 3 m selten überschreitet. Die Landschaft gliedert sich in auffälliger Weise in mehrere Ebenheiten verschiedener Höhenlage (s. Abb.), in etwa horizontal verlaufende Verflächungen leichtwelligen Charakters, wobei die Abweichungen von der mittleren Höhenlage nach oben und unten geringfügig gegenüber dem Niveauunterschied der Ebenheiten sind. Die höchste Fläche, die Stromberger Platte, liegt etwa 150-160 m hoch und ist stark zerschnitten; hier ist der Mackenberg (173 m) wohl als Restberg aufgesetzt. Die nächsttiefere, die Unterberg-Platte mit etwa 130m Meereshöhe, ist nur südlich der Stromberger Platte ausgebildet. Die weiteste Verbreitung hat die Stufe von (Südkirchen -) Bockum-Beckum-Ennigerloh mit etwa 100 m Höhenlage; N Wadersloh ist sie durch parallellaufende Tälchen tief gefingert, nur hier ist die Diluvialmächtigkeit größer. Im W, N und 0 ist ihr die Ebenheit von Ascheberg, Vorhelm und St. Vit mit 70 m (im W) bis 85 m (im 0) vorgelagert. Bei Hoetmar liegt noch eine tiefere Verebnungsfläche von 65 m Meereshöhe, die auch in der Umgebung von Everswinkel sowie in kleineren Kreideinseln des mittleren Münsterlandes ausgebildet ist. Die Südhänge all dieser Stufen sind i. a. steiler als die Nordhänge, die unschärfer sind (bes. bei Ottmarsbocholt), wohl ein Hinweis auf junge Nord-Kippung des ganzen Gebietes. Nach dem ganzen Verlaufe der Stufen kann es sich nicht um tektonische Bruchstufen handeln. Auch Aufschüttungsterrassen, eine Folge von Schotterfluren, kommen nicht in Betracht, wie die neuere Kartierung ergab, ebensowenig deren Unterkanten. Auch daß nach der Sedimentation des Obercampans die Schichten gehoben wären und ihre alte Oberfläche etwa stellenweise noch erhalten sei, könnte höchstens für die oberste Platte zutreffen, und gerade diese trägt nicht die jüngsten der dort vorkommenden Senonschichten. Abtragungsformen postkretazischen Alters, die vom Pleistozän gleichmäßig überdeckt und demnach prädiluvial sind. Diese Abtragung kann nicht marin sein, denn es sind hier keinerlei Reste marinen Tertiärs oder Tertiär überhaupt gefunden worden. Die Abtragung kann nur subaeril sein, und zwar vorwiegend fluviatil. Anfangs wurde angenommen, daß es sich um eine Schichtstufenlandschaft handle, was für die Kartierungstechnik nicht ungünstig gewesen wäre. DAHMEN hat dies nach GIERS angenommen, sie parallelisiert bestimmte Flächen, die sie aber teilweise unrichtig zusammenfaßt, mit GIERS' Senonstufen. Die Auswertung eigener Fossilaufsammlungen durch SEITZ und der mikropaläontologischen Bestimmungen HILTERMANNS ergab aber überraschenderweise, daß die stratigraphischen Grenzen schräge durch die Geländestufen und die Ebenheiten hindurchlaufen. Diese unbequeme Tatsache kann nicht dadurch erklärt werden, daß die Morphologie sich nicht nach dem paläontologisch-stratigraphischen Alter richte, sondern nach dem Gesteinswechsel, und gut könne ja die Fazies mit der Morphologie übereinstimmen, während sie die stratigraphischen Grenzen, gezogen auf Grund der Befunde HILTERMANNS, schräg schneide. Nun hat aber GIERS gerade für das Beckumer Gebiet gezeigt, daß die faziellen Grenzen den stratigraphischen parallel laufen. Es handelt sich demnach bei einem Untergrund von parallelen, aber schwach geneigten Schichten um eine Landschaft, in der Form und Bau nicht übereinstimmen, um eine Folge von Schnittflächen, eine Schnittflächentreppe (MACHATSCHEKS Schichttafelland). Diese Schnittflächen müssen im Tertiär subaeril entstanden sein. Die monozyklische Erklärung der Flächentreppen wird abgelehnt, der polyzyklischen gefolgt. Es waren wahrscheinlich die verschiedenen Bewegungsphasen im Tertiär bzw. ihre Auswirkungen in Form erheblicher Verstärkung epirogenetischer Hebung, die den Anstoß zur Bildung jeweils einer tieferen Schnittfläche gaben. Ungleichmäßige Hebung mit jeweils nachfolgender, teilweiser Schichtenkappung schufen die Landschaftstufung, die in der Eiszeit mit Terrassen-, glaziären und äolischen Ablagerungen nur dünn verhüllt wurde. Im Quartär begannen sich Schichtstufen zu bilden, die bis jetzt aber höchstens das Kleinrelief bestimmen, bes. im Gebiet der Beckumer Zementmergel. Eine ähnliche Schnittflächenlandschaft auf Unterkreidesedimenten, typischerweise auch wieder bei recht einheitlicher Gesteinszusammensetzung (Schiefertone), scheint nördlich des Weser-Wiehen-Gebirges unter Diluvium verborgen zu sein. - Die Schnittflächentreppe des südlichen Münsterlandes bietet ein gutes Analogon zur Piedmonttreppe des Sauerlandes und Bergischen Landes, wahrscheinlich bei ähnlicher Genese und gleicher Zeitlichkeit der Anlage der Verebnungsflächen.