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Zur Stratigraphie und Paläontologie der Oberkreide Nordwestdeutschlands unter besonderer Berücksichtigung Westfalens

Hiltermann, H.

Kurzfassung

Während die Hauptstufenfolge auch in der westfälischen Oberkreide mittels Inoceramen und Belemniten charakterisiert werden kann, haben sich bestimmte Kleinforaminiferen für eine exakte Stratigraphie der fast 1000 m mächtigen Schichten oberhalb des Turons als ausgezeichnete Leitfossilien erwiesen. Auf Grund der mikropaläontologischen Untersuchung von etwa 2000 Proben aus Tiefbohrungen und Schacht- und Aufschlußprofilen werden folgende Ergebnisse zur Diskussion gestellt: Die stratigraphische Brauchbarkeit der einzelnen Formen kann auch innerhalb geschlossener Gruppen, ja sogar innerhalb der Art wechseln. Der Nachdruck einer stratigraphischen Anwendbarkeit liegt auf den kleinsten taxonomischen Einheiten, vor allem der Art und Unterart. Für die Fixierung zeitlicher Äquivalenzen ist nicht die Lebensdauer einer Form entscheidend, sondern ihr Einsetzen. In Übereinstimmung mit 0. SEITZ wird die zwischen dem Einsetzen zweier Formen liegende "Pia-Stufe" für die Stratigraphie als entscheidend angesehen. Als positiver Altershinweis darf das Fehlen von Leitformen allein nicht benutzt werden, da Verbreitungsgrenzen und Aussterben von Organismen wesentlich ökologisch beeinflußt werden. Bezüglich der stratigraphischen Terminologie wird als Übergangslösung vorgeschlagen, neben den internationalen Einheiten noch die lokalen Bezeichnungen in Klammern zu belassen. Erst eine detaillierte Aufnahme und Publikation der vorhandenen Profile mit einer Revision der gesamten Fauna wird die Basis geben, eine Feinstratigraphie der westfälischen Oberkreide mit anderen europäischen und schließlich außereuropäischen Ablagerungen in sichere zeitliche Äquivalenz zu setzen.