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Der Jura von Hellern bei Osnabrück und seine paläogeographische Bedeutung

Hoffmann, Karl

Kurzfassung

Die beiden großen Tongruben der ehemals KRAMERschen und Osnabrücker Aktien-Dampfziegelei in Hellern haben in fast 100jährigem Abbau ein klassisches, im Schrifttum vielfach beschriebenes Profil des Unter- bis Mittellias und des größten Teiles des Doggers geliefert. Leider ist die Liastongrube heute fast völlig mit Osnabrücker Bauschutt aufgefüllt und läßt nur noch einzelne Teile des früher fortlaufend vom Lias alpha 3 bis Lias delta 1 aufgeschlossenen Profils erkennen, während der Dogger noch fast in seiner Gesamtheit zugänglich ist und z. Z. im höchsten Bathonien, den Aspidoides-Schichten, abgebaut wird. Der Vortragende erläuterte die stratigraphischen und faziellen Verhältnisse des Lias und Doggers von Hellern und zeigte einige besonders bezeichnende Profilstellen in Lichtbildern. Auf einzelne besonders wichtige paläontologische und paläogeographische Einzelheiten des Jura von Hellem, wie z. B. das Vorkommen von besonderen, aus dem übrigen Nordwestdeutschland nicht bekannten Ammonitenarten und die Entstehung der im nordwestdeutschen Unterlias weit verbreiteten Konglomeratbänke, wurde dabei näher eingegangen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausbildung des bei Hellem normal nachgewiesenen Posidonienschiefers des unteren Oberlias als sog. "Schwarze Kreide" bei Vehrte, nordöstlich von Osnabrück. Hier finden sich die ursprünglich bituminösen, festen und stark kalkhaltigen Gesteine des Lias epsilon und z.T. auch des Lias zeta als tiefschwarze, mürbe, stark abfärbende Massen ohne jeden Kalk- und Bitumengehalt und werden seit langem für Farbzwecke abgebaut. An Stelle von Bitumen enthalten hier diese Gesteine rund 6% Kohlenstoff. Dabei handelt es sich aber offenbar nicht um eine besondere primäre Fazies, sondern um nachträgliche Veränderungen, wie sie vielfach an bituminösen Mergelsteinen und "Kohlen" des Lias, Doggers und Wealden im Bereiche der Bramscher Masse beobachtet wurden. So handelt es sich wohl auch bei den sog. "Doggerkohlen" aus den Parkinsonienschichten, die früher angeblich in "gangförmiger" Lagerung bei Preußisch-Oldendorf aufgeschlossen waren und abgebaut wurden, um hochmetamorphe Reste ehemaliger Bitumina.