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Der tektonische Bau des Gebietes zwischen Osnabrück und Melle in Hannover (Piesberg-Pyrmonter, Holter und Sandforter Achsen)

Jubitz, K. B.

Kurzfassung

Das untersuchte Gebiet ist Teil der nordwestfälisch-lippischen Schwelle HAACKS und liegt - regional-tektonisch gesehen - im Zuge des mittelsaxonischen Faltengürtels LOTZES; es umfaßt den Raum der geologischen Blätter Osnabrück, Schledehausen (Lfg. 286) und Melle i. Hann. (Lfg. 347). Die Arbeit wurde im Zusammenhang mit feinstratigraphisch-petrographischen Untersuchungen (JUBITZ, 1951) in den Sommermonaten 1949-1951 durchgeführt und verfolgte im wesentlichen mechanisch-kinematische Problemstellungen, d. h. die Gliederung der gebirgsbildenden Vorgänge nach Richtung und Zeit ("Akte"). Das Untersuchungsgebiet gliedert sich - von Süden nach Norden - in die herzynisch streichenden Antiklinalzonen der 1. Holter-Achse, 2. Sandforter-Achse, 3. Piesberg-Pyrmonter-Achse. Der Holter Sattel stellt eine etwa 2-3 km breite asymmetrische Hebungszone dar, die in ihrem mittleren Teil in einen weiten Antiklinalbau übergeht. Dem vorwiegend flach einfallenden Nordflügel entspricht ein steilgestellter, z. T. überkippter und örtlich sogar überschobener Südflügel. Die tektonische Beanspruchung begann mit Zerrungsvorgängen ("Initialakt"), die direkt als - in einem folgenden Akt - "überpreßte Zerrungen" nachzuweisen sind. Der 2. Akt brachte als Hauptbeanspruchung die herzynisch gerichtete Sattelstellung. In einem 3. (Zerrungs-) Akt rissen Grabenbrüche auf, die streichend vom Scheitel der Struktur bis an ihre südöstlichen Flanken ziehen, wo Pressungselemente (Überschiebungen) unmittelbar neben Zerrungsformen (Abschiebungen) zu liegen kommen. Das Spalten- und Kluftsystem ist radial angelegt, jedoch sind die Beulungsprozesse nur untergeordneter Natur. Auch für die Sandforter-Achse (Haller Berg) läßt sich die gleiche Beanspruchung nachweisen: 1. Anlage von Zerrungsstrukturen in rheinischer und nordwestlicher Richtung, 2. Aufpressung der eigentlichen Sattelzone in herzynischer Richtung, 3. Aufreißen von herzynisch, rheinisch und schwäbisch (80°) streichenden Zerrungsbrüchen.