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Beobachtungen bei Feinaufnahmen im Ruhrkarbon

Jessen, W.

Kurzfassung

Es wird angenommen, daß der epirogenen Saumtiefensenkung exogenzyklisch bedingte Wasserspiegelschwankungen überlagert sind. Diese verursachen etwa 10-30m mächtige Gesteinsrhythmen, die zu 8 Rhythmengruppen zusammenfaßbar sind. Beim Regelrhythmus Wurzelboden-Flöz-Schieferton-Sandstein nimmt die Korngröße von unten nach oben zu (akkumulierende Transgression). Ausnahmen zeigen eine Korngrößenabnahme nach oben (abradierende Transgression). Im progressiven Hemizyklus erlahmt das Transportgefälle des Hinterlandes. Ferner sperren auch Pflanzenwuchs auf Sandflächen und Moore die stoßweise erfolgende Sedimentzufuhr. Paläotopographische Unebenheiten und Setzungsunterschiede sind weitere Störeffekte atektonischer Art. Der über Flözen liegende Schieferton ist keine Stillwasserbildung, da Schalenverdriftungen und Grabgänge sauerstoffhaltiges, bewegtes Wasser nachweisen. Dunkle Farbe und hoher Pyritgehalt beruhen vielmehr auf frühdiagenetischer Reduktion im Sediment. Unter den gleichfalls frühdiagenetisch gebildeten Toneisensandsteinen sind neu aufgefundene Doppelbildungen (normaler Toneisensteinmantel um schwärzlichen Kern) ein Leitmerkmal für Flöz Schieferbank 2 der Sprockhöveler Schichten. Im regressiven Hemizyklus belebt sich das Hinterlandgefälle. Neu beobachtete Trockenrisse auf Fährtenplatten zeigen, daß jetzt gebildete Sandflächen z. T. aufgetaucht waren. Dem vom Gesteinsrhythmus unabhängigen vollen Faunenzyklus, Nichtmarine Muscheln - Ophthalmoides-Grabgänge - Lingula - Goniatiten-Lingula - Ophthalmoides-Grabgänge - Nichtmarine Muscheln, stehen Horizonte gegenüber (Lingula- oder reine Ophthalmoides-Horizonte), die wegen geringerer Meerwassereinflutung ins Saumtiefen-Binnenmeer entstanden. Auch wenn marine Faunen dicht über Flözen liegen, ist kein Senkungsruck anzunehmen.