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Marin beeinflußte Flözprofile des Ruhrkarbons

Kremp, Gerhard

Kurzfassung

Es ist von praktischem Interesse, zu wissen, inwiefern marine Beeinflussungen die Beschaffenheit unserer Steinkohlenflöze verändert haben. Derartige Untersuchungen lassen sich erst zu vollem Ergebnis führen, wenn man davon ausgeht, daß der Grad einer solchen Beeinflussung ganz verschieden sein kann. Wir brauchen also Erkennungsmerkmale, mit deren Hilfe wir unterscheiden können, ob über der Kohle limnische, brackische oder marine Sedimente folgen. Rund 10 000 mikropaläontologische Untersuchungen, die das Amt für Bodenforschung bisher im Ruhrgebiet durchführen ließ, zeigten, daß die Mikrofossilien gut als derartige Indikatoren angesprochen werden können. Sie finden sich erfahrungsmäßig in großer Menge im Hangenden unserer Steinkohlenflöze und sind in ihrer Verbreitung außerordentlich von faziellen Einflüssen abhängig. Megasporen sind in der Regel nur in solchen Gesteinslagen vorhanden, die im Moor oder in deren unmittelbarer Nachbarschaft abgelagert wurden, also vornehmlich in Kohlen, Brandschiefern und dunklen Schiefertonen. In solchen Gesteinen finden sich auch meist die Mikrosporen. Ostracoden der Carbonita-Gruppe kommen in Gemeinschaft mit Megasporen nur ganz selten vor. Gewöhnlich findet man sie aber dort, wo nichtmarine Muscheln gefunden werden. Sie mögen zwar wie diese auch noch im Brackwasser gelebt haben, dürfen aber wohl im allgemeinen als Süßwasserbewohner angesprochen werden. Noch nie fand man sie zusammen mit marinen Fossilien. Zur Carbonita-Gruppe rechnen wir Ostracoden-Arten, die KUMMEROW 1949 als Carbonita fabulina (JONES & KIRKBY) und Carbonita rhenana KUMMEROW bezeichnete, außerdem solche, die von KREMP 1951 in Anlehnung an amerikanische Arbeiten als Candona sp. (aff. magnitata [HOLLAND]) sodingia i.n. abgebildet wurden. Das Fehlen der freien Schalenränder und die wesentlich dickeren Schalen machen es jedoch unwahrscheinlich, daß es sich bei der letzteren Art um eine Candona handelt. Möglicherweise ist sie mit Carbonia agnes (JONES, 1870) aus den englischen Coal measures identisch. Untersuchungen über diese Fragen sind noch nicht abgeschlossen. Sie werden vor allem durch mangelnde Vergleichsmöglichkeiten erschwert, da der Aufbewahrungsort der alten englischen Holotypen von TONES und KIRKBY unbekannt ist und die alten Beschreibungen unzulänglich sind.