Original paper

Grundlagen und Aussichten der Erdölsuche im Rheintalgraben

Wirth, Eberhard

Kurzfassung

Die Aufschllußtätigkeit nach Erdöl in der oberrheinischen Tiefebene hat sich seit 1949 neu belebt. Im Grunde genommen waren die bisherigen Erfahrungen nicht verlockend: V. MAIKOVSKY (1951, S. 1) schreibt, daß in Pechelbronn, der ältesten Ölfundstätte am Oberrhein, vom Beginn der planmäßigen Ausbeute an (1741) bis zum Jahre 1944 etwa 5300 Bohrungen mit insgesamt 1 860 000 Bohrmetern abgeteuft und 340 000 m Sickerstrecken vorgetrieben wurden, in denen das Erdöl bergmännisch gewonnen wird. Diesem Aufwand steht eine Gesamtausbeute an Öl von 2 638 000 t gegenüber, d. h., wenn man die Sickerstrecken kostenmäßig auf Bohrmeter umrechnet, ist pro Bohrmeter nur 1 t Rohöl gefördert worden. Ähnlich ist das Verhältnis zwischen Aufschlußkosten und Ausbeute auch im deutschen Teile der oberrheinischen Tiefebene bislang gewesen. Es scheint nach den Ergebnissen der 1949 angelaufenen Aufschlußperiode, daß die enttäuschende Rolle, die der Rheintalgraben als Erdölprovinz spielte, beendet sei. In den letzten 1 1/2 Jahren wurden die Öllagerstätten von Staffelfelden bei Mülhausen i. Els., von Rot zwischen Bruchsal und Heidelberg und von Stockstadt bei Darmstadt entdeckt. Z. Z. fördern dort 11 z. T. stark gedrosselte Bohrungen täglich rund 250 cbm Öl, d. h. mehr als die Hunderte von Sonden in Pechelbronn, Weingarten und Bruchsal, einschließlich des elsässischen Bergbaubetriebes, zusammen. Darüber hinaus darf man hoffen, daß die in Untersuchung befindlichen Erdgaslagerstätten von Eich und Stockstadt im Raume Worms-Darmstadt wirtschaftlich ausbeutbar sind, nachdem das ebenfalls neu erschlossene benachbarte Vorkommen von Pfungstadt kurz vor der Aufnahme der regelmäßigen Produktion steht. Die neue Aufschlußperiode enthielt von vornherein neue Zielsetzungen. Anstatt sich weiter auf die äußersten, hochherausgehobenen Randschollen zu beschränken, wurden nun zunächst die geophysikalischen Detailuntersuchungen vor allem durch Reflexionsseismik auf die ganze Breite des Grabens ausgedehnt. Sie enthüllten ein weit differenzierteres Bild des Untergrundes, als vorher bekannt war. Den durch die Geophysik aufgezeigten Strukturen folgen die Bohrungen, die immer weiter von den Rändern weg in die zentralen Bereiche des Troges vorstoßen. Daß sie erfolgreich sein können, bewies die Bohrung Stockstadt 1, die als erste auf einer mitten im Graben gelegenen Hochstruktur in rund 1600 m Tiefe eine bedeutende Lagerstätte erschloß.