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Bemerkungen über das strittige Alter deutscher Braunkohlen

Kirchheimer, Franz

Kurzfassung

Seit zwei Jahrzehnten vertrete ich die Ansicht, daß die bedeutenden Braunkohlen vorkommen des Rheinlandes und der Lausitz nicht dem Miozän angehören, sondern älter sind. Sie sollen mit einer Reihe von kleineren Lagerstätten, besonders in Hessen und Nordwestsachsen, vor dem Aquitan, und zwar während des Jüngeren Oligozäns, entstanden sein. Aus der Durchsicht des Schrifttums und dem eingehenden Studium der Flözaufschlüsse habe ich die Überzeugung gewonnen, daß diese Altersannahme in keinem unbedingten Widerspruch zu der Stratigraphie der Braunkohlenschichten steht. Zu ihr hat mich der Nachweis einer diesen Vorkommen eigenen, aber früher übersehenen altertümlichen Flora geführt. Meine Ansicht über das Alter der Braunkohlen des Rheinlandes und der Lausitz ist nicht unbestritten geblieben. In den letzten Jahren hat QUITZOW (1949, S. 1-24) zunächst das Unter- und Oberflöz der Niederlausitz dem Miozän wiedergegeben. Seine Argumente versuchte ich zu entkräften und habe bei dieser Gelegenheit eine Übersicht der im Rahmen der Altersfrage der Braunkohlenschichten besonders wichtigen Eigenschaften der als Mastixioideen-Flora bezeichneten altertümlichen Laubgewächsgemeinschaft geliefert (1950, S. 245-251). Nunmehr bestreitet QUITZOW (1953 a, S. 354-378) die grundsätzliche Bedeutung der von ihr hinterlassenen Frucht- und Samenreste für die Altersbestimmung der Flöze. In einer weiteren Schrift versucht QUITZOW (1953 b, S. 27-132) den Beweis zu führen, daß die Braunkohlenschichten der Lausitz nach Nordwesten mit den Sedimenten des marinen Miozäns in Beziehung treten. Sollte diese aus Bohrungen über den Vergleich bestimmter Horizonte konstruierte Konnektion zutreffen, so würde sich die Bildungszeit des Unter- und Oberflözes vom Helvet bis in das Torton erstreckt haben.