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Die Tiefbohrungen bei Pfungstadt und der Bau des Rheintalgrabens im Raum um Darmstadt

Veit, E.

Kurzfassung

Im Oberrheingraben südlich Darmstadt liegt bei Pfungstadt eine mittels Reflexionsseismik nachgewiesene Beulenstruktur. Im Scheitelbereich derselben sind 1951/52 2 Tiefbohrungen niedergebracht worden. Die Pfungstadt 1 hat folgendes Profil: -170 m Diluvium, - 700 m Obermiozän, - 1304 m Hydrobienschichten, - 1605 m Corbiculaschichten, - 1805 m Cerithienschichten, - 1950 m Niederröderner Schichten, - 2120 m Cyrenenmergel und Melettaschichten, -2167 m Rupelton, -2256 m Tertiärbasis (Pechelbronner Schichten), -2291 m Rotliegendes (Waderner Schichten). Die dunkelgrauen Schiefertone der Hydrobien- und Corbiculaschichten sind bituminös, enthalten aber keine sandigen Speichergesteine. Die in ihnen nachgewiesenen Methangase stammen aus den eingelagerten dolomitischen Mergel- und Kalksteinen. Die recht gleichmäßig entwickelte rhythmische Sedimentserie der Hydrobien- und Corbiculaschichten ist das Ergebnis einer ruhigen Beckensedimentation. Im Gegensatz hierzu zeigt das Profil der 10 km südlich gelegenen Bohrung Wiag Hessen 4 (bei Zwingenberg) im Miozän fast nur klastische Fazies mit flachen Schüttungen vom Grabenrand her in Form von mächtigen Sand- und Geröllmassen. In Produktionsversuchen ist aus den Hydrobien- und Corbiculaschichten von Pfungstadt auch Salzwasser gefördert worden mit einem mit zunehmender Tiefe steigenden Salzgehalt von 3,8-10,1% NaCl. Der Salzgehalt dieser Wässer und auch die Fazies stellen diese miozäne Schichtfolge zu den lagunären Bildungen. Bei Pfungstadt liegt eine durch jung- und postpliozäne, NNW streichende, antithetische Brüche gestörte Beulenstruktur. Für das benachbarte Grabenrandbruchsystem am Odenwald ist ein Sprungbetrag von mindestens 25 000 m anzunehmen. Westlich Pfungstadt fallen die Schichten ab zur Tiefzone Hahn-Griesheim, wo die Tertiärbasis etwa bei 2500-2800 m Tiefe zu erwarten ist. Dieses Tiefgebiet wird im Westen von einer Bruchtreppe mit kräftigen Störungen begrenzt. Auf der anschließenden hohen Scholle liegt der Horst von Stockstadt und weiter im Norden das Hochgebiet von Wolfskehlen. Die Stockstadt 1 hat das Rotliegende bei 1618,50 m angetroffen. Beim Vergleich der Strukturen Pfungstadt und Stockstadt lassen sich Schlüsse auf das Alter der Bruchtektonik ziehen. Im Oligozän herrscht Ruhe. Die Entwicklung in Pfungstadt und Stockstadt ist gleich. In den Niederröderner Schichten zeichnen sich Mächtigkeitsdifferenzen ab. Die Bruchbewegungen setzen vermutlich erst in den Cerithienschichten ein und reichen mit den Hauptphasen bis in die oberen Hydrobienschichten herauf.