Original paper

Über die Baugeschichte, den Baugrund und die Bauschäden des Herkules-Bauwerks in Kassel-Wilhelmshöhe

Sander; Udluft, H.

Kurzfassung

Im Anschluß an einen Überblick, den Herr Dipl.-Ing. SANDER über die Baugeschichte, Bauweise und einige beobachtete Bauschäden gab, wurde von dem Berichterstatter (H. UDLUFT) über die Baugrundverhältnisse auf Grund einer Zusammenarbeit mit den Herren HENTSCHEL, KUTSCHER, PFEFFER, RÖSING und SCHWARZ referiert und gezeigt, daß die durch die gemeinsame Untersuchung erkannten Senkungs- und Setzungsbewegungen die hauptsächliche Ursache der altbekannten Bauschäden sind und auf Bewegungen im Untergrund zurückgehen. Diese sind durch die hydrologischen Verhältnisse an der Grenze zwischen dem wasserstauenden, tonigen, tertiären Sediment und dem wasserleitenden Basalt und Basalttuff bedingt, die von W nach O einsinkt, in Richtung auf die weite, tiefe Geländemulde, die den O-Abhang des Habichtswaldes mit den Schloßparkanlagen gliedert. Eine nachgewiesene, ausgeprägte Klüftung mit vorwiegend N-S-Richtung zerlegt Basalt und Basalttuff in große, senkrecht stehende, dickplattige bis massige Schollen, die sich auf der genannten, geneigten, liegenden Grenzfläche infolge der Durchnässung und Wasserführung um geringe Beträge (mit einer allgemeinen, nach O bzw. NO gerichteten Abwärtsbewegungstendenz) gegenseitig verschieben. Der Basalt und die Basalttuffmassen zerfallen dabei allmählich in den bis als 16 m mächtig nachgewiesenen, brockigen Basaltschutt. Für diese Bewegung fehlt ein kennzeichnender Begriff, Die üblichen Bezeichnungen "Rutschung", "Gleitung", "Bodenfließen", "Erdfließen" treffen den Kern der hier erkannten Bewegung nicht. Diese ist infolge der Dicke der Basalttuff- und Basaltmasse nur sehr geringfügig. Sie genügt aber zur Auslösung der Bauschäden. Bei. geringerer Tuff- und Basaltmächtigkeit wäre es wahrscheinlich (unter sonst gleichen Bedingungen) längst zu einer katastrophalen Rutschung gekommen. Die Abwärtsbewegung des Basaltschuttes selbst ist die Ursache für die Schäden an einigen Teilen des Baukomplexes, die von denen des eigentlichen Herkules-Bauwerks abzutrennen sind. In dem blockigen bis brockigen Schutt kann sich aber keine glatte Rutschfläche herausbilden, wie sie sonst für Rutschbewegungen kennzeichnend sind.