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Zum Problem der saxonischen Initialbeanspruchung bei Osnabrück

Jubitz, Karl-Bernhard

Kurzfassung

Der Vortrag schließt im wesentlichen an das zur 104. Hauptversammlung der Dtsch. Geol. Ges. in Osnabrück gehaltene Referat (JUBITZ, Zum tektonischen Bau des Gebietes zwischen Osnabrück und Melle, diese Zeitschrift, Bd. 104, S. 523) an, insofern die Ergebnisse in den Meller Bergen und der weiteren Piesberg-Pyrmonter-Achse erweitert wurden. Als Einzelstruktur wurde - unter Vorlage einer "Leitlinienkartierung" im Maßstab 1:5000 und deren entsprechenden Profilserien sowie kleintektonischen Aufnahmen - der Holter Sattel eingehender besprochen, dessen z. T. komplizierte Bauformen auf einen mehrfachen Beanspruchungswechsel zurückgehen. Der strukturbestimmenden Hauptaufsattelung muß, nach kleintektonischen Analysen zu folgern, ein älterer Ausweitungsakt ("Initialakt") vorausgegangen sein, der zur Anlage rheinischer und nordöstlicher Bruchstrukturen führte. Östliche Sandforter-Achse und Piesberg-Pyrmonter-Achse zeigen eine entsprechende Beanspruchungsfolge, doch ist auch hier die Einengungstektonik vorherrschend. Örtliche Beulungsvorgänge mit stärkerer Vertikalkomponente treten innerhalb der Gramberger-Achse auf, wo im Bereich maximaler Aufwölbung streichende Abschiebungs- und -scherungssysteme intensive Schichtsteilstellungen bewirken; mit Abnahme der Einengungsintensität im streichenden Verlauf der Struktur verklingen auch die Längsabschiebungen und die "scheinbaren Horste" des flachgelagerten Sattelkernes und gehen in normalen Antiklinalbau über. Spätere Ausweitungsvorgänge haben im Gebiet der Meller Berge die alten herzynischen Achsenelemente entlang erzgebirgischer Bruchstrukturen zerlegt. Das Einkippen einzelner Kleinschollen nach NW bedingt einen antithetischen Tafelbau, der der generellen Absenkungstendenz der Piesberg-Pyrmonter-Achse nach SO entgegenarbeitet. Nach NW greifen die Brüche mit einem kompliziert aufgebauten Keilgrabensystem weit in das Oldendorfer-Muschelkalkgewölbe über. Auch innerhalb der Meller Berge bestehen ältere (kleintektonische) Initialbrüche. Ein (zunächst noch rein schematisch aufzufassender) Vergleich mit den angrenzenden Gebieten lehrt, daß im Hüggel und in den Osnabrücker Rundlingen (F. NIENHAUS, 1950), im Osning bei Lengerich (F. LOTZE, 1953) und Borgholzhausen/Halle (H. G. ROSSA, 1953) ein analoger Beanspruchungswechsel vorliegt.