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Colorado Plateau und Sierra Nevada - Von einem Studienjahr in den USA. -

von Esbeck-Platen, H. H.

Kurzfassung

Das 130 000 Quadratmeilen umfassende Gebiet der Colorado Plateau Provinz, in welchem die Klassiker der amerikanischen Geologie GILBERT, POWEL und DUTTON ihre grundlegenden Studien betrieben haben, darf man vielleicht das großartigste Naturmuseum der Welt nennen. Begünstigt durch die spärliche Vegetation eines semiariden bis ariden Klimas und durch den einfachen geologischen Großbau einer flachen Monoklinale sind vom Colorado und seinen Nebenflüssen alle Formationen der Erdgeschichte (von N nach S) aufgeschlossen. In dem bis zu 1800 m tief eingeschnittenen Grand Canyon des Colorado bildet das intensiv gefaltete metamorphe Grundgebirge des Archaikums die steilen Wände der inneren Schlucht. Das nicht-metamorphe Algonkium ist in keilförmigen Resten eines präkambrischen Blockgebirges erhalten und wird von der 1000 m mächtigen Hauptserie des Paläozoikums horizontal überlagert. In dem nur wenige Meilen nördlich gelegenen Zion Canyon bildet der jurassische Navajo - Sandstein mit seiner ausgeprägten Kreuzschichtung bis zu 800 m steile Wände. Die roten Kliffs des Bryce Canyon bestehen aus Wasatch-Kalk- und -Sandsteinen des Eozäns. Die scharfgegliederten Pyramiden, Säulen, Amphitheater und Naturbrücken dieses kleinen Nationalparks verkörpern wohl die bizarrsten Erosionsformen des Kontinents. Seit der laurentischen Gebirgsbildung hat das Colorado Plateau lediglich noch Hebungen, Senkungen und Kippungen erfahren. Allerdings scheinen die Bewegungen bis heute anzudauern. Bemerkenswert ist ferner die mehrfache Wiederkehr der kontinental-ariden Fazies: 1. Tapeats-Sandstein des Kambriums. 2. Supai-Schichten des Unt. Perms. 3. Coconino-Sandstein des Ob. Perms. 4. Wingate-Sandstein des Unt. Juras. 5. Navajo-Sandstein des Ob. Juras und schließlich die heutige Denudation im Wüstenklima. Das westlich anschließende Große Becken wurde von den paläozoischen Faltungen schon nicht mehr verschont und ist auch von der laramischen Gebirgsbildung noch erreicht. Die Oberflächengestalt wird vor allem bestimmt durch die "Basin Ranges", die schmale, mehr oder minder stark gekippte und gegeneinander überschobene Schollen von im einzelnen verschiedenem innerem Bau darstellen. Als die größte "Basin Range" kann man die Sierra Nevada ansprechen, die jedoch meist als selbständige geologische und physiographische Einheit behandelt wird. Sie ist ein gewaltiger nach W verkippter Großblock, der im E das Große Becken in einem steilen Abbruch mehr als 3000 m überragt.