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Im Karst von Adelsberg und Triest

Treibs, Walter

Kurzfassung

Der Vortragende war Teilnehmer an einer Studienreise des Landesvereins für Höhlenkunde Salzburg im Juni 1952 in das klassische Karstgebiet von Adelsberg und Triest. An Hand von Farblichtbildern schilderte er seine Eindrücke über und unter Tage. Zu den Erscheinungen, welche in anderen Ländern den Landschaftscharakter bestimmen, kommen in Jugoslawien noch die Höhlen. Sie sind als ehemalige, teilweise auch hoch gegenwärtig aktive Abschnitte zahlreicher Flußläufe anzusehen und bilden eine eigene Landschaft im Innern der Erde, die an Schönheit und Merkwürdigkeit mit den berühmtesten Landschaften der Erde über Tage wetteifern kann. Außerdem sind sie bezüglich Wasserhaushalt, Verlauf der Wasserscheiden und somit der Wasserwirtschaft ein wichtiger geographischer Faktor des Landes. Den Hauptanteil am geologischen Aufbau des besuchten Gebietes haben mächtig ausgebildete Kreidekalke, die Hauptträger des Karstphänomens, sowie nur teilweise mehr oder weniger verkarstungsfähige Gesteine der Trias (besonders Hauptdolomit) und des Flysch. Das sehr verschiedene Verhalten dieser Gesteine gegenüber den Witterungseinflüssen bedingt den Wechsel von reinem Karst und normaler Erosionslandschaft. Eine der auffallendsten Landschaftsformen des Karstes sind die großen Kesseltäler (Poljen), von denen das von Zirknitz besonders bemerkenswert ist, weil es im Frühjahr regelmäßig von einem bis 40 km2 umfassenden See erfüllt ist, der langsam unterirdisch abfließt und einen fruchtbaren Boden freigibt. Abgeführt werden diese Wässer durch den Rackbach, der sie großenteils als Höhlennuß ins Laibacher Moor und weiter zur Save bringt. Die heutige Rackbachschlucht stellt einen alten, eingestürzten Höhlenlauf dar, von dem noch einige Reste in Form von Naturbrücken erhalten sind. Besonders eindrucksvoll als Wasserhöhlen sind in diesem Gebiet die Planinahöhle und die zur Zeit des Besuches bis auf einen Höhlensee trockene Kreuzberghöhle bei Zirknitz; ausgezeichnet durch besonders reichen Tropfsteinschmuck die Adelsberger Grotte und der hintere Teil der Kreuzberghöhle. Zwei weitere im Adelsberger Gebiet besuchte Höhlen sind durch Funde aus dem Altpaläolithikum bis Neolithikum bzw. Hallstattzeit bis Mittelalter bemerkenswert, das Höhlenschloß Lueg bildet hier eine besondere Sehenswürdigkeit. Ein reichhaltiges Museum in Adelsberg birgt vor- und frühgeschichtliche Funde und karstgeologische Sammlungen.