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Die geologische Geschichte der westfälischen Dünen auf Grund der Bodenbildungen

Maas, H.

Kurzfassung

Auf Grund datierbarer vorgeschichtlicher Funde konnten LOTZE (1949) und BRANDT (1950) für einige Dünen an der Lippe ein recht jugendliches Alter nachweisen. Damit ergaben sich Zweifel an dem allgemein hohen Alter (spätdiluvial bzw. frühalluvial) der westfälischen Dünen. Zur Klärung dieser Fragen erschienen die Bodenbildungen auf, in und unter den Dünen geeignet. In den Jahren 1950 und 1951 wurden die westfälischen Hauptdünengebiete in der Senne, an der Lippe und Ems unter diesem Gesichtswinkel untersucht. Gleichzeitig wurden Windrichtungen, die zu Dünenaufwehungen führten, die Dünenformen und die Beziehungen zu ihrer Unterlage studiert. Zunächst galt es, die Frage zu klären, inwieweit Bodenbildungen für Altersangaben herangezogen werden können. Dies kann nur in solchen Fällen geschehen, in denen bodenbildende Faktoren völlig gleich sind. Diese Faktoren bewirken nämlich im Verlauf längerer Zeiträume die Ausbildung typischer Bodenprofile (Bodentypen). Erst der Nachweis der Gleichheit der bodenbildenden Kräfte im Untersuchungsgebiet ermöglichte die Beantwortung der Frage nach der geologischen Geschichte der westfälischen Dünen von den Bodenbildungen her. Auf den sehr nährstoffarmen Dünensanden Westfalens haben sich nur Podsolböden gebildet. Sie sind gekennzeichnet durch einen bleigrauen bis violettgrauen, stark gebleichten Eluvialhorizont (A2) und einen teils schwarzbraunen (B1), teils rostfarbenen (B2) Illuvialhorizont, der oft verhärtet ist und als Ortstein bezeichnet wird. Die Untersuchungen ergaben drei der Stärke nach verschieden ausgebildete Podsole. Am häufigsten war ein mächtiger Podsolboden mit Ortstein, der in der Senne fast ausschließlich und an der Lippe und Ems allenthalben auftrat. Dünen, auf denen diese Bildungen vorgefunden wurden, zeigten keine weiteren Böden, weder auf ihrer Unterlage noch in ihnen. Ebenfalls sehr häufig war ein sehr schwacher Podsolboden, bei dem der Bleichungs- und Anreicherungshorizont nur wenige Zentimeter mächtig ist. In Dünen mit solch schwachen Profilen wurde sehr häufig das oben genannte Ortsteinprofil gefunden. Daneben trat, jedoch seltener, eine dritte Bodenbildung auf, deren Bleichungshorizont und Anreicherungshorizont in ihrer Mächtigkeit zwischen den beiden häufig vorkommenden Profilen lagen.