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Die Entstehung des Mare Imbrium und der Mondrillen

Quiring, Heinrich

Kurzfassung

Die Hypothese der eruptiven Ausschleuderung des Mondes am Ende des Archaikums kann auch zur Erklärung der Entstehung der zahlreichen älteren und durch Einschlagkörper hervorgerufenen Mondkrater herangezogen werden. Ich bin bereits in meiner Arbeit über die Mondentstehung (in dieser Zeitschrift Bd. 98, S. 179-181) kurz darauf eingegangen, möchte aber noch einiges ergänzen. Nach der laurentischen Ausschleuderungsphase - die Temperatur der Ausschleuderungsmasse ließ sich zu etwas über 2800° C bestimmen - schlossen sich in der Äquipotentialfläche in rund 384 000 km Entfernung die eruptiven Ausschleuderungsmassen nicht sofort zu einem einheitlichen Mond zusammen. Zunächst liefen in der Nähe des Hauptkörpers, d. h. vor, neben und hinter ihm, zahlreiche Nebenkörper mit ähnlicher Geschwindigkeit um. Sie wurden erst nach und nach durch den Hauptmond aufgenommen, wie die zahlreichen großen Durchschlagkrater (Plato, Archimedes, Hipparch, Ptolemäus, Pilatus, Walter usw.) erkennen lassen. Sie entstanden bereits in der Frühzeit des Mondes, als er sich erst mit einer dünnen Rinde umzogen hatte, die von den Einschlagkörpern durchschlagen und am Kraterrande aufgestaucht werden konnte. Denn in diesen Durchschlagkratern ist das flüssige Magma bis zu der isostatisch bestimmten Niveaufläche aufgestiegen. Diese Durchschlagkrater (Wallebenen) unterscheiden sich deutlich von den späteren zahlreicheren und meist kleineren meteorischen Aufschlagkratern. Sie haben die Rinde nicht mehr perforiert, sondern sind, wie der Cañon Diablo in Arizona, Sprengtrichter, entstanden durch Explosion des Einschlagkörpers. Von diesen jüngsten Meteorkratern überdecken die sichtbare Mondscheibe weit über 30 000.