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Stratigraphie und tektonische Stellung der Elbtalzone

Gallwitz, H.

Kurzfassung

In den letzten Jahren konnte ich meine geologischen Untersuchungen in der Elbtalzone wieder aufnehmen, wobei die Beobachtungsdichte im Gelände durch den Einsatz von kartierenden Studenten und besonders durch die Arbeit eines Diplomanden, Herrn ENGERT, wesentlich verbessert wurde. Das Arbeitsgebiet liegt zwischen Markersbach und Kreischa oder, geologisch gesprochen, zwischen dem südlichen Elbsandsteingebirge und dem Döhlener Rotliegend-Becken. Gleichzeitig arbeitete ein Berliner Diplomand, Herr GOTTE, in der nordwestlichen Verlängerung des Elbtalschiefergebirges, wo es südwestlich von Meißen in die Ummantelung des Granulitgebirges umschwenkt. Seine neuen Fossilfunde bedeuten für unsere Ergebnisse eine wesentliche Stütze. Ausgehen möchte ich bei meinen Darlegungen von der Mittelsächsischen Überschiebung, Jener Störung, die die Elbtalzone gegen das östliche Erzgebirge begrenzt. Obere Freiberger Gneise liegen an dieser Störung neben den Phylliten der Elbtalzone und den in sie intrudierten Turmalingraniten. Das Einfallen der Störung geht, wie schon PIETZSCH festgestellt hat, i. A. nach NE. Ein Ergebnis der Spezialkartierung ist, daß die Mittelsächsische Überschiebung durch eine große Zahl von Querverwerfungen zerhackt ist. Der bisher auf den Karten scheinbar einheitlich herzynisch streichende Ausbiß der Störung südlich Gottleuba setzt sich in Wirklichkeit aus einer größeren Anzahl E-W streichender Abschnitte zusammen, die an den Querstörungen nach E fortschreitend jeweils nach S zurückgestaffelt sind (Abb. 1). Wesentlich ist, daß die Mittelsächsische Überschiebung von zahllosen steilen, streichenden Störungsflächen mit einer fast horizontalen Striemung begleitet wird und eine starke Kataklase weit in den Gneis und in die Elbtalzone hinein zu beobachten ist. PIETZSCH (1927) sagt von ihr: "Die Striemung auf den Schieferungsflächen beweist, daß der letzte wirksame Akt jener Bewegung, die das Schiefergebirge in seine heutige Lage brachte, in einem annähernd horizontalen Schub in NW-SE-Richtung bestand."