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Flora und Klima im Jungtertiär des Wiener Beckens

Berger, Walter

Kurzfassung

Die jungtertiären Ablagerungen des Wiener Beckens haben eine Reihe mehr oder weniger reicher fossiler Blattfloren geliefert, die, zum Großteil schon seit langem bekannt, erst in den letzten 5 Jahren gründlich untersucht wurden (vgl. BERGER, 1951, 1952). Im Wiener Becken wurde schon im vorigen Jahrhundert eine sehr leistungsfähige und genaue Stratigraphie entwickelt, die in den letzten Jahrzehnten durch zahlreiche Untersuchungen verschiedener Autoren noch wesentlich verfeinert wurde. So ist es auch möglich, den Großteil der Pflanzenfundorte altersmäßig genau einzustufen; die Genauigkeit geht dabei so weit, daß wir beispielsweise die beiden reichsten fossilen Floren des Gebietes, die von Vösendorf (BERGER, 1950, 1952 a, im Druck b) und vom Laaerberg. (BERGER, 1951 a, im Druck) nicht nur mit Sicherheit ins Pannon (Altpliozän) stellen können, sondern noch präziser ins Pannon E, ja sogar die Flora von Vösendorf an die Basis dieser Stufe, die vom Laaerberg in die höheren Lagen. Diese Möglichkeit einer sicheren Feinstratigraphie bildet bei den Floren des Wiener Beckens einen wesentlichen Vorteil gegenüber den meisten anderen europäischen Tertiärfloren, vor allem den reicheren und besser erhaltenen Floren der mitteldeutschen Braunkohlenlager, deren Alter vielfach noch heute unsicher ist und dementsprechend von den verschiedenen Autoren zum Teil ganz verschieden gedeutet wird. Ein Nachteil der Pflanzenreste aus dem Wiener Becken ist dagegen, daß sie zum überwiegenden Teil ohne oder mit völlig umgewandelter organischer Substanz erhalten sind, eine Untersuchung mit modernen histologischen Arbeitsmethoden daher unmöglich ist und der Bearbeiter sich auf die rein megaskopisch-morphologische Betrachtung beschränken muß.