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Zur Landschaftsgeschichte von Tübingen

Wagner, Georg

Kurzfassung

Tübingen ist die Stadt der vielen Täler und Berge. Sie macht es dem Fremden nicht leicht, sich in diesem Gewirr auszukennen und es zu verstehen. Die Hauptleitlinien geben die beiden großen West-Ost-Täler, das 500-3000 m breite Neckartal und das 200-1000 m breite Ammertal, welche die Keuper-Lias-Platte zerschnitten haben. Südlich des Neckars erstreckt sich der Keuperwald des Rammert und darüber die Albvorebene, die Liasfläche der Härdten, nördlich der Ammer der alte Königsforst des Schönbuchs, wo noch große Liasflächen ungerodet sind. Zwischen beiden Tälern liegt der langgestreckte Rücken des Spitzbergs, von dem im Westen die vielbesungene Wurmlinger Kapelle abgetrennt ist, während bei Tübingen die alte Einsattelung an der Stiftskirche und noch mehr der junge Einschnitt der Mühlstraße den Österberg selbständig machen. Der ganze Rücken ist zu schmal, um noch Lias zu tragen. Er besteht vorwiegend aus Stubensandstein (0-1000 m breit). An den breitesten Stellen sind noch Knollenmergelkuppen erhalten (Bussberg und Österberg). Dazu kommen noch die zahlreichen Seitenbäche im undurchlässigen Keuper, welche die Platte noch mehr zerschneiden, so daß diese unruhige Landschaft entsteht. Während sonst die mächtigen Platten der Stufenbildner weite, sanft nach Südosten geneigte Ebenen bilden (Schwarzwaldvorland, Gäu, Albvorebene, Albhochfläche), die nur von wenigen Tälern durchfurcht sind, ist bei uns die Keuper-Lias-Platte stark aufgelöst. Denn wir sind hier nahe dem Stufenrand, noch nicht 10 km von ihm entfernt. Und da sind immer wieder die Platten zerschnitten, aufgelöst. Wurmlinger Kapelle und Weilerburg sind Stufenrandberge, und noch weiter draußen liegen Heuberger Warte und Pfaffenberg als Schilfsandsteinauslieger vor der Front. Und die große Taldichte im Keuper, bedingt durch die Undurchlässigkeit, führt auch zu einer stärkeren Auflösung als beim verkarsteten Muschelkalk oder Jura. Dazu greift noch die Gäufläche des Korn- oder Oberen Gäus weit in die Flußpforten herein, und die "-ingen-Orte" beweisen, daß der Mensch das schon früh ausgenützt hat. Denn der rund 100 m mächtige, leicht zerstörbare Gipskeuper bedingt breite Täler und Stufenrandpforten.