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Der Säuerling von Kleinengstingen - die einzige Mineralquelle der Albhochfläche

Carlé, Walter

Kurzfassung

Vorbemerkungen Nur wenige der tief eingeschnittenen Täler im Weißen Jura führen klare Bäche oder Flüßchen der Donau zu. Auf der tief verkarsteten Hochfläche dagegen mußte jahrhundertelang das Regenwasser in Zisternen und mühsam abgedichteten Dorfweihern, hierzulande Hülen oder Hülben genannt, gesammelt werden. Glücklicher waren lediglich diejenigen Orte, die auf einem der zahlreichen rundlichen Basalttuff-Schlote erbaut sind. Die Tuffe verwittern zu einem gelbbraunen schweren Lehm, der in der Lage ist, Grundwasser zu tragen. In diese räumlich eng begrenzten und nur wenig Speicherraum bietenden Grundwasserleiter abgeteufte Hausbrunnen ergeben zwar Grundwassermengen, die über den ärgsten Mangel hinweghelfen konnten, doch reichten sie in trockenen Zeiten nicht zur Versorgung aus. Auf der Suche nach weiterem Wasser wurde im Trockenjahr 1580 der Kleinengstinger Säuerling gefunden. Er ist die einzige Mineralquelle der gesamten Weißjura-Hochfläche und der in sie eingetieften Täler zwischen Hochrhein und Main-Durchbruch und beansprucht schon dadurch besonderes Interesse. Er wurde schon frühzeitig erwähnt und kurz beschrieben (CRUSIUS, 1596; CAMERARIUS, 1719); alle späteren Erwähnungen bringen gegenüber diesen ersten Notizen nichts Neues (QUENSTEDT, 1896; WAGER, 1935; FRANK, 1951). Als ich mich anläßlich einer akademischen Vorlesung intensiver mit der Geologie der süd- und mitteldeutschen Mineralwässer zu beschäftigen begann, wurde mir diese Kenntnislücke schmerzlich bewußt. Zunächst ließ ich eine Orientierungsanalyse anfertigen, um den Wassertyp zu erkennen. Dem ersten kurzen Besuch im November 1952 folgten zwei weitere Besuche im Mai und Juli 1953, bei denen die Bevölkerung über Wasserführung und Untergrund befragt wurde; einige Baugruben im Dorf konnten eingesehen werden und zusammen mit einer erneuten Probenahme aus dem Sauerbrunnen wurden aus drei benachbarten Brunnenschächten Wasserproben entnommen.