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Grundwasserchemismus und Bildungsmilieu des Buntsandsteins

Becksmann, E.

Kurzfassung

Landläufig gilt das Grundwasser des Buntsandsteins als weich, obwohl einige Ausnahmen durchaus bekannt waren. Bei der intensiven Durchforschung der Grundwasserverhältnisse Nordbadens nach dem Kriege zeigte sich, daß das nur für die absteigenden Quellen gültig ist. Bereits die aufsteigenden Quellen in den tiefer eingeschnittenen Tälern schütten auch dann härtere bis harte Wässer mit größerem Abdampfrückstand, die durchaus den Charakter von Kalk-Wässern haben, wenn keinerlei Beeinflussung vom Muschelkalk oder Löß her möglich ist. Bohrungen erschließen ähnliches Wasser, das auch einen bemerkenswerten Gipsgehalt aufweisen kann, oder, wenn es sich um ± ruhendes Tiefenwasser unter undurchlässiger Überdeckung handelt, durch einen Gehalt an NaCl auffällt, das gegenüber schwerer löslichen Bestandteilen die Oberhand gewinnen kann. Ohne Sprung geht die chemische Reihe weiter bis zu Mineralwässern. Die Grundwasseranalysen, in der von H. UDLUFT für Mineralwässer vorgeschlagenen anschaulichen Weise dargestellt, zeigen, daß die weichen Wässer ihren Lösungsinhalt aus der Hydrolyse der Feldspäte beziehen und die Abdampfrückstände in dem Maße zunehmen, wie unterhalb des Vorfluters das Grundwasser entweder weniger oder kaum noch in Bewegung ist oder eben erst durch junge rückschreitende Erosion mehr in Bewegung kam und dadurch noch mitten in der Auslaugung des durchflossenen Speicherraums begriffen ist. Diese rückschreitende Erosion datiert seit der Neubelebung des Reliefs im Pliozän und ist beim unteren Neckar etwa seit Wende Pliozän-Pleistozän praktisch abgeschlossen, bei den zufließenden Bächen aber noch im Gange. Damit ist die Zeitdauer für die vollständige Auslaugung auch des Kalkes im Bereich der heute weichen Wässer umschrieben. Kalk, Gips und Salze sind bei der Ausbildung des nordbadischen Buntsandsteins in feiner Verteilung im tonig-silikatisch-ferritischen Bindemittel zu suchen, ohne daß es bei den Sedimentationsbedingungen in quasi aridem Milieu zur Entstehung entsprechender Krusten oder Absätze kommen konnte. Die in bestimmten Bereichen gehäuften "Pseudomorphosen" und die seltenen "Scheinkristalle" belegen auch im heute ausgelaugten Bereich das ehemalige Vorhandensein von Kalk.