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Diskussionsbemerkung zum Vortrag LEHMANN

Hennig, E.

Kurzfassung

Man soll der Natur Fragen stellen, nicht Forderungen. Nachdem sie uns soeben die flehentliche Bitte um organische Anhaltspunkte erfüllte, halte ich für unbescheiden, zu erklären: das genüge uns nicht, wir brauchten längere Zeiträume. Strecken wir uns nur nach der von ihr gelieferten stratigraphischen Decke! Mit einigem Drehen und Wenden kann das durchaus gelingen. Wollen wir die Netze unserer Theorien auswerfen, so müssen wir vor allem die Fixpunkte beachten, an denen wir sie verankern können: Die alpha/ß-Stufe am westlichen Albrande wurde im Mittelmiozän freigelegt, die auflagernden höheren Gesteinsmassen als große Nagelfluhfächer südostwärts hinaus transportiert. So konnten anschließend die unterpliozänen Bohnerzfaunen von Salmendingen-Melchingen dareingebettet werden. Das Obermiozän hatte den Albvulkanismus gebracht; seine Sprengtrichter (nicht Maare i. e. S.) geben die damalige Oberfläche an und blieben mit ihr (im Albkörper) unversehrt. Eine irgendwie nennenswerte Erniedrigung ist dort nicht eingetreten! Post-unterpliozän ist zu beträchtlichem Teile das rheinische Lauchert-Störungssystem, dessen nördliche Fortsetzung, von S. MÜLLER aufgenommen, unweit östlich der Bärenhöhle vorbeizieht und in der Nachbarschaft Erosionsbelebung in Gang bringen mußte. Die Höhle ist als N-S-Kluft geradezu ein Teil von ihm! Plio/pleistozän sind die Rottenburger Höhenschotter und zeigen um jene Zeit den Neckar im Tübinger Albvorlande bei heute rd. 400 m um ebenfalls mindestens 400 m gegenüber der Alb-Donau-Landschaft eingetieft. Da ist es denn höchst beachtlich, daß die neuaufgefundene Fauna vom Unterende der Bärenhöhle aus praktisch gleichem Augenblick so durchgreifend abweichende hydrographische Zustände bezeugt als heutzutage. Über die Lage des Albtraufs sind wir nicht unterrichtet. BRANCOS Nachweis für das Obermiozän gilt unbedingt nur für den Fildergraben, in dessen vertiefter Lage auch der Weißjura so weit vorspringen mußte, darf nicht auf, das ganze Land verallgemeinert werden. Im Pleistozän mußten die durch HÖLDER klargelegten Abbruchsvorgänge infolge Vegetationslosigkeit ungemein verstärkt sich einstellen. Doch gilt das kaum für die gamma/delta-Kante.