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Der Erosionsmechanismus am Trauf der Schwäbischen Alb

Hölder, H.

Kurzfassung

Der nordwestliche Steilabfall der Schwäbischen Alb ist über dem Braunen Jura in der Regel in zwei Weißjura-Stufen gegliedert (ß-Trauf und delta-Trauf), steigt aber stellenweise auch unmittelbar zur Weißjura-delta-Stufe empor (ß/delta-Trauf), Die beiden Traufstockwerke zeigen verschiedene Erosionsformen. Am ß-Trauf gehen, ausgelöst durch die quellbaren Tone des Oberen Doggers, zahlreiche hangwärts geneigte Gleitschollen auf Schaufelflächen nieder, die schmale, aber oft langgestreckte Hangleisten bilden. Ihre Oberfläche kann aus abgeglittenen ß-Kalken in geschlossenem Verband bestehen. Doch können ähnliche Formen auch aus Schuttmassen hervorgehen, die in gleitende und abwandernde Schuttschollen zerfallen. Dellen und Senken im Rücken der gleitenden Schollen weisen vielleicht auf Erosion des alpha-Mergels auch unter Schutt und Schollen hin und wären in diesem Falle als Begleitformen der erosiven Trauf-Rückverlegung zu deuten. Am delta-Trauf erfolgt Unterhöhlung der dickbankigen und massigen (und daher in geringerem Grade zu Abscherbung und Schuttbildung neigenden) Ober-delta-Kalke durch Auswaschung der liegenden Unter-delta-Mergel. Folge davon sind in der Regel Bergstürze. Wo ß- und delta-Trauf an der Ostverwerfung des Hohenzollern-Grabens in gleicher Höhe nebeneinandertreten, lösen sich die beiden sonst vertikal getrennten Erosionsmechanismen (Gleitung und Sturz) in horizontaler Nachbarschaft ab (Blockbild Abb. 1, S. 292). Gesteinscharakter und Hangwinkel (nicht Tektonik!) bestimmen dabei Formen und Intensität der Abtragung. Am einheitlich emporsteigenden ß/delta-Trauf herrscht die Abtragungsform der Schollengleitung, wobei die Gleitflächen vom Oberen Dogger bis zur Weißjura-delta-Kante hinaufgreifen. Schönstes Beispiel: Schafbuckel bei Neidlingen (Neues Jb. Geol. u. Paläontol. 97, Abb. 11, S. 367, 1953). Beim Anblick des im tektonischen Graben als Zeugenberg isolierten Hohenzollern erwiderte L. v. BUCH um 1850 OSKAR FRAAS, der schon damals erosive Abtrennung vom Albkörper vermutete: "Schweigen Sie mir von Ihren Erosionen!" So führt uns das Studium der erdgeschichtlichen Entwicklung des Landschaftsbildes am Albtrauf zugleich auch in die Entwicklung unserer Vorstellungen von dessen Werden hinein.