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Exkursion in den Muschelkalk des württembergischen Franken

Wagner, G.; Vollrath, A.

Kurzfassung

Die zweitägige Exkursion sollte in die Probleme der Stratigraphie und Paläogeographie des Hauptmuschelkalks einführen. Die letzten 50 Jahre haben einen gewaltigen Umschwung gebracht. Während früher jede Gemeinde mehrere Steinbrüche besaß, die im Handbetrieb abgebaut wurden und auf deren Halden man leicht sammeln, an deren Wänden man überall im Anstehenden sammeln konnte, sind heute über 90% derselben verschwunden und durch Großbetriebe von bis zu 50 m Höhe mit maschinellem Abbau, zum Teil sogar in langen Stollen, ersetzt. Nur ein kleiner Abschnitt des Profils ist zugänglich. Erst bei wiederholten Besuchen kann man das lange Profil ganz fassen. Dafür ist es aber auch möglich, bei dem stufenweisen Abbau gut horizontiert zu sammeln. Die Ceratiten sind im Hauptmuschelkalk leider vielfach nur "Leidfossilien". Im Trigonodusdolomit Württembergs sind bis heute nur 3 Ceratiten gefunden worden; seine genaue Einreihung auf Grund der Ceratiten wäre mir erst 16 Jahre nach meiner Dissertation gelungen, als ich bei Cannstatt etwa 1 m unter der Oberkante des Trigonodusdolomits einen intermedius fand. Auch aus den Quaderkalken und Kornsteinen bekommt man kaum einen Ceratiten. Dazu kommt noch, daß Übergänge viele Formen verbinden, daß sich die Vorkommen zum Teil vertikal überschneiden. So wertvoll sie für weiträumige Vergleiche sind, so willkommen sie auch in der Nähe der Spiriferenbank sein mögen, im oberen Drittel des Hauptmuschelkalks erlauben sie keine Feinstratigraphie. Zur ersten und raschen Orientierung eignen sich vor allem die Tonhorizonte, die sich oft über 100 km verfolgen lassen und nach denen man sich an den hohen Steinbruchwänden rasch zurechtfinden kann. In der ganzen Kochendorfer Fazies erlaubt der Bairdienton Ferngeologie. Hauptterebratelbank, Bank der Kleinen Terebrateln, Cycloidesbank lassen sich mit Hilfe der Tonhorizonte rasch ansprechen und finden. Nur werden die Tonhorizonte gegen Süden, gegen die ehemalige Küste zu, allmählich durch Kalk ersetzt.