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Exkursion in die Westalb

Wagner, G.; Sauer, K.

Kurzfassung

a) Morphologie und Flußgeschichte (G. WAGNER) Die Westalb ist besonders geeignet, Probleme der Stufenlandschaft und der Flußgeschichte zu zeigen. Während die süddeutsche Schichtstufenlandschaft zwischen Grundgebirge und Albtrauf im Maingebiet bei 1/2% Schichtenfallen eine Breite von 175 km erreicht, sinkt diese im Rheine bei Waldshut bei 6% Schichtenfallen auf 6 km! In unserem Exkursionsgebiet sinkt die Breite von 60 km bei Tübingen (1,5%) auf 14 km an der Gutach (4%). Die Stufen rücken so nahe zusammen, daß man sie leicht überblickt und daß sie, besonders bei Aufschüttung (Donaueschingen), an Höhe verlieren, so daß sie schon übersehen wurden. Grabenbrüche bedingen Reliefumkehr; Hohenzollern und Eichberg-Buchberg liegen vor der Front. Die Liasplatte stößt im Bonndorfer Graben wie in der Mulde des Kleinen Heubergs weit nach Westen vor. Während in der Ostalb der Eisensandstein von Braun ß breite Stufen bildet, tritt er hier gegenüber den Blaukalken (Braun Gamma) und den Oolithbänken von Delta und Epsilon mehr zurück. Den eigentlichen Trauf aber erzeugen die mächtigen wohlgeschichteten Kalke von Weiß ß, die zudem noch in den Balinger Bergen stark verschwammt sind. Südlich der Eyach überragt sogar die Betakante des Traufes die weiter zurückliegenden Höhen der dickbankigen oder kaum geschichteten Kalke von Delta und Epsilon, während sie weiter im Osten sich dem Traufe so stark nähern, daß sie ihn überhöhen oder gar selbst den Trauf bilden. An der Salmendinger Kapelle erreicht die Betafläche ihre größte Breite mit 7 km! Und über ihr erhebt sich der Deltastufenrand mit Ausliegern und Talpforten. Die Auslieger, vor allem die Salmendinger Kapelle, liegen in Erosionsferne, in den Talgabeln, und zeigen alle Stufen der Abtragung. Das hochgelegene Flußnetz der Donau (Tuttlingen 642 m NN, Sigmaringen 570 m) wird von den gefällstärkeren Zuflüssen des Rheins (Neckar bei Tübingen 316 m, Wutachmündung 310 m) stark eingeengt; die Oberläufe ihrer Zubringer werden abgelenkt, gekapert. Bald handelt es sich um eine Zerschneidung (wenn der Angriff von der Seite kommt, so am Bhf. Lichtenstein das Urlautertal durch die Echaz); bei der Wutachablenkung ist der alte Talboden noch rückläufig ausgeräumt, nur noch teilweise erhalten.