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Paläontologische Untersuchungen am Bohrgut der Bohrungen Ortenburg CF 1001, 1002 und 1003 in Niederbayern

Hagn, Herbert

Kurzfassung

5. Zusammenfassung Durch die mikropaläontologische Untersuchung der Bohrkerne der Bohrungen Ortenburg CF 1001, 1002 und 1003 in Niederbayern konnte insgesamt folgender Schichtbestand nachgewiesen werden: Santon, Unter-Campan Unteres Obercampan, Ober-Paläozän (?), Rupel, Katt, Aquitan, Burdigal und Helvet. Die Bohrung CF 1002, die sich durch eine große Mächtigkeit der miozänen Schichtglieder auszeichnet, wurde im höchsten Katt eingestellt. Die Bohrung CF 1001 erreichte unter dem Rupel und fraglichen Ober-Paleozän noch das Untere Obercampan, während die durch eine geringmächtige Ausbildung der einzelnen Horizonte und durch das Vorhandensein zahlreicher Schichtlücken (u. a. Fehlen des Aquitans) gekennzeichnete Bohrung CF 1003 unter dem Rupel noch Unteres Obercampan, Unter-Campan und Santon antraf. Die Basis des Burdigals liegt in allen drei Bohrungen nicht an der Unterkante der Grobsande ("Phosphoritsand"), sondern wird von den basalen Grünsanden der Fischschieferserie gebildet. Die über dem Mittel-Helvet liegenden nichtmarinen Schichten wurden in der vorliegenden Arbeit nicht näher berücksichtigt. Infolge Vorliegens vollständiger Kernserien konnten die einzelnen Schichtgrenzen sehr genau festgelegt werden. Die Gliederung in die oben genannten Horizonte wurde ausschließlich mit Hilfe von Foraminiferen durchgeführt, da die übrigen Mikrofossilien, wie Diatomeen, Radiolarien, Schwammreste, Ostracoden u. dgl., meist viel zu selten und unregelmäßig auftraten, als daß sie bei der Ausscheidung von Faunenhorizonten berücksichtigt hätten werden können. Im Hinblick auf das reiche Fossilmaterial wurde versucht, den Leitwert der einzelnen Foraminiferengruppen zu überprüfen. Es zeigte sich, daß nur ein Teil der auftretenden Faunenelemente für eine Feinstratigraphie von Bedeutung ist. Es wurden 3 große Gruppen ausgeschieden: 1. Durchläufer, die nicht den geringsten Leitwert besitzen, da sie in der bayerischen Molasse vom Rupel bis zum Helvet auftreten; 2. sog. Häufigkeitsformen, deren Häufigkeitsmaximum zwar nicht mit ihrer wahren Lebensdauer übereinstimmt, die aber dennoch für die Charakterisierung von Fossilhorizonten mit Erfolg herangezogen werden können, und 3. sog. Verwandschaftsformen, d. h. solche Arten, die mit älteren oder jüngeren Arten in einem bestimmten Verwandtschaftsverhältnis stehen. Die Verbreitung dieser phylogenetisch wichtigen Formen beginnt mit ihrer Entstehung und endet mit ihrem Aussterben, sie sind also echte Leitformen. Als Beispiel für die letztere Gruppe wurde Asterigerina praeplanorbis n.sp. aus dem Oberen Rupel gewählt, welche als eine Prämutation der miozänen A. planorbis D'ORB. aufgefaßt und im paläontologischen Teil dieser Arbeit beschrieben wird. Der mit Hilfe der Mikrofossilien gewonnene Überblick über den Schichtbestand und das Auftreten von Schichtlücken in den einzelnen Bohrungen gestattete ferner, Aussagen über die Paläogeographie und Tektonik des Gebiets zu machen. Die unterschiedliche Entfernung der 3 Bohrungen zum Beckenrand kommt in den Bohrprofilen gut zum Ausdruck. Es wurde sowohl auf die synsedimentären Bewegungen (Absenkung im Beckeninneren, Hebungen am Beckenrand) als auch auf die postmittelhelvetischen Aufwölbungen ("Pfarrkirchener Sattel" WURMS) im Bereich der Bohrung CF 1001 eingegangen.