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Zur Gliederung und Paläogeographie der ungefalteten Molasse im westlichen Alpenvorland

Lemcke, K.

Kurzfassung

Es wurde über die Ergebnisse von geologischen und sedimentpetrographischen Untersuchungen im westlichen Alpenvorland berichtet, die 1948-1952 auf Anregung und unter Gesamtleitung von A. ROLL (Gewerkschaft Elwerath) gemeinsam mit W. v. ENGELHARDT, H. FÜCHTBAUER, H. FAHRION, E. W. STRAUB und unter Mitwirkung von H. ZÖBELEIN und G. BAUER ausgeführt wurden. Zugrunde lagen 39 Untersuchungsbohrungen, die Tiefbohrung Scherstetten 1 sowie umfangreiche Geländeaufnahmen. Die Arbeiten wurden von verschiedenen Konsortien der deutschen Erdölindustrie getragen. Für die Untere Süßwassermolasse ergibt sich in horizontaler Richtung eine Unterteilung in die z. B. bei Ehingen anstehende kalkige Randfazies und die vor allem durch Scherstetten 1 bekanntgewordene, dort etwa 600 m mächtige sandig-mergelige Beckenfazies. In dieser ist eine Gliederung in einen tieferen, vorwiegend mergeligen, chattischen, und einen höheren, stärker sandigen, aquitanen Anteil erkennbar. Das Chatt scheint mehr limnisch, das Aquitan mehr fluviatil entwickelt zu sein. Der Materialtransport dürfte teils von S nach N, teils von der Schweiz nach E zu dem dort existierenden Meer hin erfolgt sein. In der etwa 150-200 m mächtigen Oberen Meeresmolasse ist eine Aufteilung in 2 Zyklen erkennbar. Von ihnen beginnt der untere, der etwa 4/5 der Gesamtmächtigkeit umfaßt, meist mit gröberen Basissedimenten und ist darüber vorwiegend mergelig entwickelt (Sandmergelserie); der obere wird durch die gleichfalls grobkörnige Schüttung des bekannten Baltringer Horizontes eingeleitet und ist überwiegend feinsandig ausgebildet (Feinsandserie). Der Baltringer Horizont ist im ganzen Arbeitsgebiet und wahrscheinlich bis Niederbayern verfolgbar. Der Materialtransport scheint, abgesehen von kleinen randalpinen Einschüttungen, von W nach E erfolgt zu sein. In stratigraphischer Hinsicht gehört die Obere Meeresmolasse wohl größtenteils zum Helvet; ob das Burdigal in dem untersuchten Gebiet vorhanden ist, erscheint fraglich.