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Der Auerberg, eine selbständige Mulde in der Allgäuer Molasse

Vollmayr, Th.

Kurzfassung

GÜMBEL (1858) faßte den Auerberg als stark überkippten Nordrand der gefalteten Molasse auf. Er verbindet ihn also mit dem Zug der Oberen Meeresmolasse (OMM), welcher, von Kempten her kommend, die Wertach bei Leuterschach überquert. Von dem Dorf Rieder aus ließ er also den Ausbiß der OMM aus dem normalen Ost-West-Streichen abbiegen und nach Süden in Richtung Sulzschneid laufen, um den Anschluß an die Obere Meeresmolasse des Auerberges zu gewinnen. Bei GÜMBEL mußten also die bunten Schichten nördlich des Auerberggipfels als Obere Süßwassermolasse erscheinen. Allerdings war GÜMBEL (1858) auch die von Rieder über Settele nach Osten verlaufende Obere Meeresmolasse bekannt. MAX RICHTER (1940, Skizze der subalpinen Molasse) behielt diese Auffassung im wesentlichen bei. E. KRAUS (1951, S. 248, Abb. 88 c und Taf. 5) faßte das ganze Auerberggebiet als gestörte flache Kuppel der OMM auf und kam damit der hier vertretenen Anschauung nahe. Zur neuen Deutung der Tektonik sei als Ausgangspunkt das Profil der Wertach gewählt (Abb. 2, Profil 1). Zwei etwa Ost-West-streichende Züge der OMM bezeichnen die beiden Schenkel einer Antikline mit Oberer Bunter Molasse (Unterer Süßwasser-Molasse) im Kern; gegen den Kern der Antikline zu versteilt sich die Lagerung bis zu saigerer Stellung. Der gestörte Antiklinenkern kann auch als Störungssystem aufgefaßt werden. Dann entspricht der Nordflügel der Antikline dem aufgerichteten Südrand der ungefalteten Molasse. Der Südflügel der Antikline ist gleichbedeutend mit einer eigenen Molasseschuppe bzw. einer asymmetrischen Mulde. Diese nördlichste Molassemulde ist etwa das Äquivalent der Hauchenbergmulde des West-Allgäus.