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Exkursion in die Molasse und das Quartär zwischen Ulm und Isny

Lemcke, K.; Graul, H.

Kurzfassung

14. September 1953: 1. Klifflinie der Oberen Meeresmolasse südöstlich Suppingen (Blatt Blaubeuren Nr. 7524, 3554 080/5368 000) Auf der Fahrt Tübingen-Urach-Ulm wurde bei Suppingen die auf der Schwäbischen Alb verlaufende Steilküste des Meeres der Oberen Meeresmolasse (OMM) gequert (u. a. KIDERLEN 1931), welche dort als eindrucksvolle Geländekante das bewegte alte Relief der nordwestlichen Alb von dem flach nach SE geneigten, weit reliefärmeren ehemaligen Meeresboden des jüngsten Molassemeeres trennt. Sie bildet die paläogeographische NW-Grenze des Molassebeckens und dürfte im Helvet entlang einer Störungslinie (u. a. ROLL 1935) ausgearbeitet worden sein. 2. Grimmelfingen (Blatt Ulm-Südwest Nr. 7625, 3569 660/5359 730) Bei Ulm wurde der Nordwestrand der Graupensandrinne ereicht, die sich nach der Regression des OMM-Meeres im Oberhelvet entlang der Albsüdrandflexur (u. a. KIDERLEN 1931) erosiv in die Obere Meeresmolasse und Untere Süßwassermolasse eingeschnitten hat und durch die junge danubische Ausräumung wieder freigelegt worden ist. Der untere Teil ihrer Füllung, die oberhelvetische Grimmelfinger Graupensande, wurde in einer Grube bei Grimmelfingen besichtigt (Typlokalität). Dort sind in 10-15 m Mächtigkeit karbonatfreie, mittel- bis grobkörnige Sande aufgeschlossen, die massenhaft "Graupen" = gut gerundete Quarze, seltener Kieselgesteinsgerölle von etwa Erbsengröße enthalten. Häufig sind ferner gelbliche, z. T. kaolinisierte Feldspäte. Die Graupensande sind das tiefste Glied der Süßbrackwassermolasse, zeitlich gleichzusetzen mit den Anfangsstadien der terrestrischen Albsteinbildung weiter südlich im Becken. Nach Schrägschichtung und Geröllbestand (KIDERLEN 1931) wurden sie von einem Fluß abgelagert, der von NE nach SW strömte und dessen Einzugsgebiet anscheinend bis in die Randgebiete der Böhmischen Masse reichte. Der Schwermineralbestand mit relativ viel Rutil und Turmalm könnte ebenfalls auf außeralpine Schüttung deuten.